Kanye West ist so ein Typ: Er findet selbst, er sei der beste, mache die geilsten Sachen und müsse dringend Präsident werden. Tief stapeln, ach komm! Die "Ich bin der größte!"-Haltung ist aber nicht nur im Showbusiness zu finden, sondern auch in vielen Führungsetagen.

Arroganz zeichnet sich dadurch aus, sich besser als andere zu fühlen: durch Aussehen, Eigenschaften, Talente oder Überzeugungen. Übersteigert sich das in eine unerschütterliche Selbstliebe, kann sogar Narzissmus als psychisches Krankheitsbild vorliegen. Fernab einer solchen ernsthaften Persönlichkeitsstörungen sei es schwer, eine Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und Arroganz zu ziehen, sagt Claas-Hinrich Lammers, Ärztlicher Direktor für Psychotherapie der Asklepios Klinik in Hamburg. "Es gibt keine harten Kriterien, um das festzumachen", sagt er. Die Grenze, ab wann es ungesund wird - für Mensch und Karriere - ist fließend.

"Wenn man Arroganz erweitert in Richtung Selbstüberzeugung und Kritikresistenz, ist sie wichtig, um bestimmte Führungsaufgaben zu erfüllen, bei denen man ständig im Fokus der Kritik ist."
Claas-Hinrich Lammers, Ärztlicher Direktor Psychotherapie, Asklepios Klinik

Arroganz hat auch etwas Gutes: Wer ständig Entscheidungen trifft, muss bis zu einem gewissen Grad gegen Kritik immun sein, um handlungsfähig zu bleiben. Chefs müssen aushalten, dass einen nicht alle mögen. "Wenn man sich alles zu Herzen nähme, würde man es in dieser Position gar nicht aushalten", sagt Claas-Hinrich Lammers. Ein bisschen "Scheißegal, was die anderen sagen" kann also hilfreich sein.

"Keiner möchte einen arroganten Chef haben, der einem sagt, du bist nichts wert."
Claas-Hinrich Lammers, Ärztlicher Direktor Psychotherapie, Asklepios Klinik

Schwierig wird es, wenn die Arroganz damit einhergeht, andere massiv herabzusetzen. Der meistgehasste Mensch der Firma zu sein, wirkt sich irgendwann nicht nur schlecht auf einen selbst aus, sondern auch auf das Außenbild der Firma. Und damit auf die Akzeptanz im Unternehmen. Blinde Selbstliebe hat ein Problem, wenn sie komplett ausblendet, was die anderen tun und denken. Eine gute Führungskraft muss genauso soziales Geschick beweisen. Was man brauche sei Empathie, also Einfühlungsvermögen in andere Menschen, sagt Claas-Hinrich Lammers, der als Chefarzt übrigens auch führungserprobt ist.

Arroganz + Empathie

Im Doppelpack mit Empathie kann ein wenig Arroganz also nicht schaden. Sich gezielt selbstüberheblich nach oben zu arbeiten, wird aber vermutlich schwer. Denn Qualität, Ehrgeiz und Intelligenz sind ebenfalls essentielle Zutaten für eine Karriere: "Arroganz nur ein kleiner Bestandteil.“

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