Will Facebook unsere politische Haltung beeinflussen? Nach einem Medienbericht blendet das soziale Netzwerk in den USA Themen einfach aus, wenn sie dem Unternehmen politisch nicht passen. Die Vorwürfen beziehen sich nur auf die USA.

Dass bei Facebook manipuliert wird, ist kein Geheimnis. Anders als früher Twitter, zeigt die Timeline von Facebook eben nicht die neuesten Nachrichten - ohne Rücksicht auf deren Absender. Sondern die Nachrichten werden gewichtet - Facebook entscheidet für uns, welche News wir zu sehen bekommen und welche nicht. Die User können mit dieser Manipulation eigentlich ganz gut leben, weil sie häufig ganz gut funktioniert und interessante Posts nach oben spült. Was aber, wenn Facebook diese Macht nutzt, um uns parteipolitisch zu beeinflussen? Genau über diese Frage ist derzeit eine heftige Debatte ausgebrochen. Auslöser sind Berichte von ehemaligen Facebook-Mitarbeitern.

Es geht darum, dass uns angeblich konservatives Gedankengut vorenthalten wird. Angeblich haben Facebook-Mitarbeiter regelmäßig konservative Themen und Berichte aus den Nachrichtentrends des Netzwerks entfernt, berichtet das Tech-Blog Gizmodo. Die Nachrichtentrends sind ein Tool, das es im deutschen Facebook nicht gibt. In den USA aber schon länger auf der rechten Seite der Webseite - da wo uns neue Freunde vorgeschlagen werden. Und dieser Trend-Bereich soll uns zeigen, welche Themen gerade die Facebook-User interessieren.

"Wenn ein Thema bei Twitter durch die Decke gegangen ist und bei Facebook noch nicht aufgetreten ist, dann war der Druck von der Firmenleitung offenbar groß, nachzulegen."
Netzautor Andreas Noll

Interessieren - das sollte eigentlich heißen, was geklickt und gelesen wird - also eine mathematisch sehr einfache Angelegenheit. Ein bisschen vergleichbar mit dem "Meist-Gelesen-Feld" auf vielen Seiten. Aber Facebook, so der Vorwurf, zählt hier gar nicht eins und eins zusammen, sondern blendet Themen einfach aus, wenn sie dem Netzwerk politisch nicht passen. Den ehemaligen Facebook-Mitarbeitern zufolge kamen zu ihrer Zeit Themen über konservative Politiker wie Mitt Romney oder den umstrittenen Fernsehmoderator Glenn Beck nicht in die Rubrik. Andere Themen wiederum, die noch nicht für größere Resonanz gesorgt haben, wurden offenbar manuell in die Trending Topics gehievt.

Dafür gibt es offenbar mehrere Gründe. Zum einen die Tatsache, dass die Kuratierer, also diejenigen Mitarbeiter, die für die Trending Themen zuständig sind, ihre eigene politische Haltung durchsetzen wollten. Und diese Haltung lässt sich dann auch transportieren, weil die Kuratoren von der Software zwar die entsprechenden Daten über die Facebook-Diskussionen erhalten, aber ihre Entscheidung davon unabhängig treffen können. Zumindest soll das 2014 bis 2015 so gewesen sein, als die Mitarbeiter dort gearbeitet haben. Und zum anderen ist da auch die Konkurrenz mit Twitter. Wenn ein Thema bei Twitter durch die Decke ging, bei Facebook aber noch nicht auftauchte, war der Druck offenbar groß, nachzuziehen. Eine Vorgabe der Facebook-Leitung für eine politische Ausrichtung soll es aber nicht gegeben haben.

Die eigene politische Haltung durchsetzen

Das Unternehmen erklärt zunächst einmal völlig unabhängig von diesem Vorfall auf seinen Hilfeseiten, dass eine Vielzahl von Faktoren darüber entscheidet, ob ein Thema "trending" wird oder nicht. Das klingt schon mal nach viel Interpretationsspielraum. Den konkreten Vorwurf von Gizmodo hat Facebook zudem zurückgewiesen. "Unsere Regeln erlauben nicht die Unterdrückung von politischen Perspektiven", sagte ein Facebook-Sprecher auf Anfrage. Außerdem seien Manipulationen nicht nur verboten, sondern auch technisch unmöglich.

Ob das glaubwürdig ist, ist schwer zu beurteilen. Aber es erscheint unserem Netzautoren Andreas Noll nicht besonders unwahrscheinlich, dass eine Redaktion für den Trending-Bereich hier auch manipulieren kann. Und zum Selbstverständnis von Facebook würde die Haltung auch gut passen. Einmal pro Woche dürfen die Facebook-Mitarbeiter Mark Zuckerberg online eine Frage stellen. Im März lautete die Frage: "Welche Verantwortung hat Facebook, dabei zu helfen, Präsident Trump 2017 zu verhindern?"