Jetzt hat auch Mark Zuckerberg eingelenkt - Facebook sagt Fake-News den Kampf an. Am Grundproblem ändert das aber nichts: Facebook ist mehr als eine Plattform für Fremdinhalte, denn es trifft eine Auswahl redaktioneller Inhalte zugeschnitten auf den Nutzer.

In der vergangenen Woche wurde heftig diskutiert, ob Fake-News in Social Media, allen voran auf Facebook, Donald Trump zum Wahlsieg verholfen haben. Zuerst hatte der Chef des Unternehmens, Mark Zuckerberg, noch abgewiegelt. Die These sei ziemlich lächerlich, es gebe höchstens 1 Prozent Fake auf seiner Plattform. Nach diesem Statement gab es aber reichlich Gegenwind - auch von eigenen Mitarbeitern. Viele von denen halten das Fake-Problem für äußerst gravierend. Jetzt hat Mark Zuckerberg ein neues Posting zum Thema veröffentlicht.

Was Mark Zuckerberg dazu veranlasst hat, ist unklar: Vielleicht war es Barack Obama - das ist die These unserer US-Korrespondentin Katharina Wilhelm. Obama hatte in einer Rede auf seiner Abschiedstournee gesagt, es sei ein Problem, wenn Netznutzer nicht mehr zwischen echten Argumenten und Propaganda unterscheiden könnten.

Die neue Linie laute also: Es gibt Verbesserungsbedarf. Facebook hatte sich schon Anfang vergangener Woche der Initiative von Google angeschlossen, Fake-Seiten das Wasser abzugraben - über eine Reduzierung oder völlige Einstellung von Werbeeinblendungen. In seinem Posting hat Mark Zuckerberg angekündigt, Facebook wolle künftig Inhalte schon als falsch erkennen, bevor Nutzer sie als falsch melden.

Facebook wird versuchen, den Fake-Erkennungs-Algorithmus zu verbessern, und laut Zuckerberg auch stärker auf die Erkenntnisse von Journalisten und Fact-Checking-Organisationen zurückgreifen. Ein Schritt soll ein Warnhinweis bei Postings sein, die schon als Fake gemeldet wurden. Außerdem soll es eine Änderung im Algorithmus geben: Künftig zeigt Facebook nicht mehr nur News an, die den schon angeklickten sehr ähnlich sind.

Facebook und die Sache mit der Verantwortung

Mehr Vielfalt statt Filter-Bubble - das wäre eine Revolution im Facebook-Algorithmus. Und deswegen wird das wohl auch nur dosiert kommen, denn das Grundprinzip von Facebook bleibt gleich: User sollen so lange wie möglich in der Timeline gehalten werden, damit sie Werbung klicken können.

Es gibt noch ein juristisches Problem, wie Annalee Newitz auf Ars Technica schreibt: Bislang stellt sich Facebook als reiner Plattform-Anbieter für fremde Inhalte dar und kann deshalb auch die Privilegien des "Communications Decency Acts CDA 230" in Anspruch nehmen. Die Folge: Das Unternehmen haftet nicht für die Inhalte, die gepostet werden. Laut Rechtsexperten ist fraglich, ob die News-Auswahl der Algorithmen Facebook zum redaktionellen Anbieter macht.

Unser Netzautor Michael Gessat ist skeptisch, dass Facebook dem Fake-Dilemma entkommen kann. Ein Vorschlag: Facebook sollte einfach aufhören, den News-Feed als News-Feed zu bezeichnen. Und ihn als das benennen, was er eigentlich ist: ein Empfehlungs- oder Unterhaltungs-Feed. Und umgekehrt sollte natürlich auch uns Usern klar sein: Einen umfassenden und objektiven Nachrichtenüberblick finden sie auf Facebook nicht.