2012 haben Wissenschaftler eine Woche lang den Facebook-Newsfeed von fast 310.000 englischsprachigen Nutzern manipuliert. Alles im Dienste der Wissenschaft. Sagen die Forscher und das Unternehmen. Die User sind trotzdem empört.

Wie wirken sich die Statusmeldungen von Freunden auf die Stimmung der Facebook-Nutzer aus? Diese Fragen wollten US-Psychologen beantworten - indem sie ein Experiment in Zusammenarbeit mit Facebook starteten. Allerdings ohne das Wissen der untersuchten Nutzer. ""Das ist der Stein des Anstoßes", erklärt Reporter Andreas Noll. Die Forscher haben verändert, was im Newsfeed erschien - bei der einen Gruppe erschienen eher positive Meldungen, bei der anderen eher negative Meldungen.

Facebook wusste Bescheid

Den Forschern ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie keine Beiträge gelöscht haben, sondern nur die Zusammensetzung der auf den ersten Blick sichtbaren Postings verändert haben. Facebook selbst wusste von den Manipulationen - einer der Forscher gehört zum "Core Data Science Team" des Unternehmens. Rechtlich gesehen, erklärt Reporter Andreas Noll, sei das Vorgehen in Ordnung: "So sind eben die Nutzungsbedinungen." Insgesamt wurden fast 700.000 Nutzerseiten analysiert, bei rund 310.000 wurde der Nachrichtenstrom vorgefiltert.

"Es gab Vorbehalte gegen die Studie, aber die konnten die Wissenschaftler ausräumen: Der Nachrichtenstrom werde sowieso von Facebook manipuliert, da komme es auf die eine zusätzliche Manipulation auch nicht mehr an."
DRadio-Wissen-Reporter Andreas Noll

Außerdem haben Mitarbeiter bei der Veränderung des Newsfeeds geholfen, denn die Psychologen selbst können da nicht eingreifen. Unklar ist, ob die unfreiwilligen Probanden nachträglich über ihre Teilnahme an dem Experiment informiert wurden. Reporter Andreas Noll zieht folgendes Fazit: "Unsere Daten sind das Produkt, wir sind nicht die Kunden von Facebook."

Britta Wagner, Nachrichtenredaktion DRadio Wissen
"Das Ergebnis der Studie ist eher nicht so überraschend: Wer mehr positive Nachrichten in seinem Newsfeed liest, postet auch eher Positives. Und umgekehrt."