Facebook hat sich seine neue Funktion Stories von Snapchat abgeguckt. Bei Stories wird dir angezeigt, wer sich deine Inhalte ansieht. Das wird Facebook grundlegend verändern, meint unser Netzreporter Andreas Noll.

Was das anonyme Facebooken angeht, müssen wir unsere alten Vorstellungen über den Haufen werfen. Aber fangen wir von vorne an: Das Grundkonzept von Stories ist simpel und war der große Wurf von Snapchat. Aus mehreren Fotos oder Videos erstellt man eine Story - lustige Filter inklusive -, die nach 24 Stunden wieder verschwindet. 

"Facebook zeigt jetzt an, wer sich die Inhalte angesehen hat. Es gibt also keinen anonymen Konsum mehr, der bislang für Facebook ja so grundlegend war."*
Andreas Noll, DRadio Wissen

Facebook weiß zwar, welche Seiten wir wann und wie oft anklicken, aber diese Daten werden den Usern nicht mitgeteilt. Wenn ich also ein Foto in meine Timeline packe, dann sehe ich die Likes oder die Kommentare, aber nicht, wie viele Freunde sich dieses Foto angesehen haben. Ich kann also stundenlang auf einer Timeline surfen, ohne dass ihr Besitzer das merkt. Das geht bei Stories nicht mehr, wie das Tech-Magazin Mashable berichtet. Da wird dann genau angezeigt, wer sich meine Stories angesehen hat.

Was die Folgen angeht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ist uns das anonyme Surfen weiterhin so wichtig, dass sich die Stories-Funktion nicht durchsetzt. Oder aber die neue Funktion schlägt so ein, dass dies der Anfang vom Ende des anonymen Surfens durch Facebook-Profile ist.

Überraschungen sind vorprogrammiert

Der Facebook-Algorithmus sorgt ja dafür, dass man in der Regel die Nachrichten von den Leuten in den Newsfeed bekommt, mit denen man gerne und viel interagiert. 

"Wenn man jetzt feststellt, dass die letzten Deppen, die nur als Karteileiche unter den Facebook-Freunden herumliegen, besonders interessiert an unseren Geschichten sind, ist das vielleicht eine unangenehme Überraschung."
Andreas Noll, DRadio Wissen

Posts, die sich nach einer gewissen Zeit selbst löschen, sind ja schon lange ziemlich angesagt. Daher wollte FB-Chef Mark Zuckerberg Snapchat auch vor vier Jahren für drei Milliarden US-Dollar kaufen, hat aber nicht geklappt. Jetzt werden einfach die Funktionen von Snapchat in die FB-Produkte (Instagram, Whatsapp, FB-Messenger) integriert und den Usern mit der Holzhammer-Methode in die App gedrückt. 

Bei Instagram zum Beispiel werden die Stories an die oberste Stelle des Newsfeed gesetzt. Und auch bei Facebook wird diese Funktion sehr prominent in den Newsstream eingebaut. Für Facebook ist diese Funktion extrem wichtig, und mit seiner Marktmacht wird es die Funktion pushen. Stories, so schreibt der Branchendienst Meedia, sind der neue Newsstream. Denn Texte werden auf Facebook immer unbedeutender, Bilder und Videos immer wichtiger. Und die werden mit Stories ins rechte Licht gerückt.

*Hinweis der Redaktion: Wir haben unseren Beitrag nachträglich korrigiert - in einer ersten Version hatten wir behauptet, Snapchat und Instagram würden in ihren Stories nicht anzeigen, wer sich die Inhalte dort anschaut.

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