Eines der ersten viralen Videos wurde kürzlich für rund 620.000 Euro versteigert. Für den neuen Rechteinhaber ist das Video wohl eine Kapitalanlage.

Charlie beißt seinen Bruder Harry in den Finger und ihr Vater filmt sie dabei mit dem Smartphone. Dann lädt der Vater den kurzen Clip mit dem Titel "Charlie bit my finger" auf die Videoplattform Youtube hoch, damit die Paten der Jungs sehen können, wie es den beiden geht und welche Späße sie miteinander treiben.

Eigentlich klingt das ziemlich unspektakulär, könnte man meinen. Allerdings wird das Video, das der Vater der beiden britischen Jungs im Mai 2007 im Netz hochgeladen hat, zum Internetphänomen.

Das 55-sekündige Video wird unzählige Male vervielfältigt und immer wieder geteilt und immer weiter im Netz verbreitet. Allein unter einer der vielen Videokopien des Bissvorfalls der Davies-Carr-Brüder sind über 880 Millionen Aufrufe verzeichnet.

"Sie können beispielsweise ein JPG-Foto Millionenmal ohne Verlust kopieren, aber mit einem NFT können Sie diesem JPG quasi ein Echtheitszertifikat ausstellen."
Andre Kramer, Redakteur vom Computer-Magazin c't

Das Original-Video wurde kürzlich für umgerechnet rund 620.000 Euro versteigert und wird jetzt mit einem NFT-Zertifikat versehen. NFT steht als Abkürzung für den Begriff "Non-Fungible Token". Es bestätigt die Echtheit der Original-Datei und ist fälschungssicher.

Vergleichbar mit einem Kunstwerk, von dem es zwar Kopien gibt, aber auch unzweifelhaft nur ein einziges Original. Wie zum Beispiel das "Mona Lisa"-Gemälde von Leonardo da Vinci, das im Original im Louvre Museum in Paris hängt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter David Freches.

11 Personen hatten bei dieser NFT-Auktion mitgeboten. Das Startergebot lag bei 1.000 Dollar. Den Zuschlag für rund 620.000 Euro bekam ein Händler mit dem Pseudonym 3fmusic. Der Käufer, der dahinter steckt, ist anonym geblieben.

"Da geht es um Spekulation. Der Käufer hofft, dass sich dieses Werk im Wert steigert, um es dann teurer wieder zu verkaufen. Ich denke, darum geht es."
Andre Kramer, Redakteur vom Computer-Magazin c't

Auch wenn die Original-Datei nun aus dem Netz gelöscht werden könnte, geht unser Reporter davon aus, dass die eine oder andere Kopie weiterhin im Netz aufzufinden sein wird.

Andre Kramer vom Computer-Magazin c't geht davon aus, dass der Käufer des Videos darauf spekuliert, dass der Wert des Videos steigt. Und dass der jetzige Eigentümer das Video als Kapitalanlage nutzen und zu einem späteren Zeitpunkt weiterverkaufen könnte.