Mehr als nur ein Traum, es wird konkret: Über 100.000 Unterschriften hat eine Initiative gesammelt, damit es in Berlin bald hunderte Kilometer mehr Radwege gibt.

Dass es so schnell geht, damit hatte keiner gerechnet. Die Berliner Initiative "Volksentscheid Fahrrad" ist auf dem besten Weg, ihr Ziel zu erreichen: Sie will mehr Radwege, den Ausbau von Abstellplätzen und Radschnellwegen durch die Stadt. 20.000 Unterschriften brauchten die Initiatoren, damit ihr Vorschlag in die nächste Runde geht. Sechs Monate hatten sie Zeit. Sie benötigten allerdings nicht mal vier Wochen, um fünfmal so viele Stimmen zu bekommen, wie gefordert. 105.425 Menschen haben unterzeichnet.

Wandel auf dem Radweg

Organisiert wird die Initiative von etwa 100 unterschiedlichen Ehrenamtlichen. Fahrradverbände und Greenpeace unterstützen die Initiative. Der Aktivist Heinrich Strößenreuther ist einer der Mitorganisatoren. Für ihn ist der Turbodurchmarsch der Unterschriften Ausdruck eines Wandels in der Stadt. Sowohl die Businessfrau als auch der Handwerker hätten keine Lust mehr auf Staus vor der Ampel, andere genießen es einfach schnell und draußen von A nach B zu düsen. Auch für Autofahrer gäbe es Vorteile, sagt Heinrich Strößenreuther: weniger Staus und bessere Parkplatzbedingungen.

"Ich war ziemlich geflasht, als ich von der Zahl der Unterschriften gehört habe. Weil das so eine unglaubliche Nachricht ist: Die Menschen wollen andere Städte haben, die nicht mit Autos vollgestopft sind."
Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Fahrrad-Volksentscheids

Der Fahrrad-Aktivist Heinrich Strößenreuther meint: Es würden sich noch mehr Leute aufs Rad trauen, wenn genügend sichere Radwege zur Verfügung stünden. Diese Situation will die Initiative mit Forderungen in zehn zentralen Punkten verbessern.

In ihrem Entwurf eines Berliner Radverkehrsgesetzes sind etwa zwei Meter breite Radwege und Radschnellwege vorgesehen. Dadurch könnte dann links der Fahrradkurier überholen, während rechts die Familie gemütlich radelt. Auch gefährliche Kreuzungen sollen entschärft werden, Straßenschäden schneller behoben werden. Weitere Polizei-Fahrradstaffeln und mehr Personal bei der Verwaltung sollen dafür sorgen, dass das neue Konzept sicher umgesetzt werden könne.

"Wenn die Politik endlich die Radfahr-Bedingungen so stellt, dann würden wesentlich mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen."
Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Fahrrad-Volksentscheids

Noch steht das amtliche Ergebnis aus, dann folgt eine verfassungsrechtliche Prüfung. Die Aktivisten rechnen damit, dass es im Winter eine Entscheidung gibt, wie es mit ihrem Gesetz weitergeht. Über die Kosten sind sich Senat und Initiative uneins. Nach den Berechnungen der Initiative soll das Paket etwa 400 Millionen Euro kosten - und widerspricht damit den Schätzungen des Senats, der von etwa viermal so hohen Kosten ausgeht.

Schon jetzt sind erste Gespräche mit Vertretern des Senats anberaumt. Sollte es aber zu keiner Gesetzesänderung kommen, wird es einen Volksentscheid geben.