Die Stimmung zwischen Rad- und Autofahrern im Straßenverkehr ist grundsätzlich angespannt - nicht selten aggressiv. Dabei könnte es so entspannt sein.

Fahrradmotiv Radfunk

Im Prinzip werfen sich beide Parteien dasselbe vor, nämlich: Rücksichtslosigkeit. Fragt man Fahrradfahrer, berichten sie von Autofahrern, die sie schneiden. Fragt man Autofahrer, können sie etliche Situationen aufzählen, in denen Radfahrer an ihnen vorbeigeschossen sind ohne zu gucken. Und beide - Radfahrer und Autofahrer - fühlen sich im Recht.

Naja, grundsätzlich gibt ja keiner gerne zu, etwas falsch gemacht zu haben. Denn jeder denkt von sich selbst: "Ich bin ein guter Autofahrer" - beziehungsweise: "Ich bin ein guter Fahrradfahrer". Das nennen Experten "Selbstbestätigung". Mit dieser unbewussten Methode kompensieren Auto- und Radfahrer gleichzeitig ihre Angst. Verkehrspsychologe Wilfried Echterhoff hat die These, dass im Straßenverkehr immer unterschwellige Angst da ist.

Angst im Straßenverkehr

Diese Angst versuchen wir zu kompensieren, indem wir uns einreden, dass wir gute Autofahrer oder Radfahrer sind - nach dem Motto: "Ich habe alles im Griff. Mir kann nichts passieren". Manche machen das mehr, manche weniger. Bei Radfahrern ist die Angst größer, weil sie keine Knautschzone haben und deshalb einfach gefährdeter sind.

"Es eskaliert so schnell, weil sich jeder ständig rechtfertigen will, dass er alles richtig gemacht hat und keine Gefahren erzeugt."
Verkehrspsychologe Wilfried Echterhoff

Die Angst wird durch den dichten Straßenverkehr sogar noch größer. Gerade in Großstädten sind wir permanent damit beschäftigt, darauf zu achten, dass wir unbeschadet durchkommen. 

Auto- und Radfahrer sollten öfter mal die Perspektive wechseln

Wilfried Echterhoff rät sowohl Fahrrad- als auch Autofahrern, sich selbst zurückzunehmen. Das würde dazu führen, dass wir rücksichtsvoller und vorsichtiger fahren. Durch einen Perspektivwechsel könnten wir uns leichter in andere hineinversetzen. Das wirkt sich positiv auf unsere Stimmung und Verhalten im Straßenverkehr aus.  

Ich-Botschaften besänftigen

Wenn es also doch mal passiert, dass wir uns aufregen - als Fahrradfahrer zum Beispiel - und den Autofahrer an der nächsten Ampel so richtig anbrüllen, dann schürt das nur die Aggressionen.

Wilfried Echterhoff rät, stattdessen Ich-Botschaften zu senden. Wir sollten von uns selbst und unseren Gefühlen sprechen. 

"Sagen sie: Da haben Sie mir aber richtig Angst eingejagt, ich hätte ja umfallen können und mich richtig schwer verletzen können."
Verkehrspsychologe Wilfried Echterhoff

Die Hoffnung vom Verkehrspsychologen Wilfried Echterhoff: "Wenn man das eigene Problem thematisiert - dann trifft das auch jeden Macho ins Herz." Radfunker Paulus rät, Ich-Botschaften mal trocken zu üben, damit es in der konkreten Situation, in der wir aufgeregt sind, auch wirklich klappt.

Ein ausführliches Gespräch mit Echterhoff gibt es übrigens auch als Podcast bei uns und den Kollegen vom Deutschlandfunk

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