Irgendwo auf einer Wiese in den USA - ein Witzbold schleicht sich in eine Ziegenherde, bläst eine Brötchentüte auf und lässt sie platzen. Fast alle Ziegen fallen um und bleiben kurz wie paralysiert liegen. Dann rappeln sie sich auf und laufen weiter. Warum? Das erklärt Dr. Mario Ludwig im Tiergespräch.

Die Tennesseeziege, eine spezielle Ziegenrasse aus den USA, hat viele Namen: Nervous Goats, Stiff-leg Goats oder Wooden-leg Goats. All diese Namen gehen darauf zurück, dass diese Ziegen mehr als schreckhaft sind. Sie fallen einfach sehr leicht in Ohnmacht.

Erbkrankheit setzt Ziegen außer Gefecht

Ursache für diese Ohnmachtsanfälle ist eine vererbliche Muskelkrankheit namens Myotonia congenita Thomsen. Bei dieser Krankheit werden die Skelettmuskeln sofort sehr stark kontrahiert und können sich nicht entspannen. Wenn also eine Ziege erschreckt wird, verkrampft sie und fällt in einem ohnmachtsähnlichen Zustand zu Boden, streckt die Beine von sich und ist für etwa zehn Sekunden außer Gefecht. Danach steht sie wieder auf, als wäre nichts geschehen.

Bis auf ein paar Schürfwunden, die beim Hinfallen entstehen, sind die Ohnmachtsanfälle nicht weiter gefährlich für die Gesundheit der Ziegen. Je älter die Tiere werden, umso geschickter können sie mit den Anfällen umgehen - ältere Ziegen lehnen sich zum Beispiel gegen eine Wand, um stehen zu bleiben.

Außer bei Ziegen kommt dieses Phänomen auch bei Hunden und Katzen vor - allerdings sehr viel seltener.