Früher nannte man das Daily Soap: Schauspieler stellen Personen mit einem interessanten Leben dar. Das wird jetzt wieder gemacht, nur halt auf Tiktok.

Was im Leben von angeblich echten Influencerinnen und Influencern auf Tiktok und Insta alles echt oder nicht so echt ist, lässt sich oft schwer überprüfen. So gesehen sind die Accounts des US-Unternehmens Fourfront in Sachen Transparenz sogar weiter: Die Macher geben nämlich zu, dass hier alles zu 100 Prozent fiktional ist. Heißt: Die Influencerinnen sind gar nicht echt, sondern Schauspieler.

Freund ist Sohn einer afrikanischen Königsfamilie

Fourfront betreibt gleich mehrere dieser Accounts, und die Lebensgeschichten der Protagonisten klingen wie aus einer Daily Soap:

Da ist zum Beispiel Ollie, ein trans Mann, der herausfindet, dass sein Vater eine Geschlechtsangleichung durchmacht. Dann gibt es die Story von Tia, die feststellt, dass ihr Freund aus einer afrikanischen Königsfamilie stammt und eine Zukunft ohne sie plant. Die erfolgreichste Fake-Influencerin ist Sydney, eine ständig an der Pleite herumschrammelnde Frau, die auf der Couch ihrer Schwester lebt und im Kundendienst einer Datingseite arbeitet. Ihre Story: Sie enttarnt den Verlobten ihrer Schwester als Betrüger.

22 solcher Fake-Accounts hat Fourfront bisher erfunden und produziert, acht sind noch aktiv. Fortgeführt werden nur Personen und Geschichten, die beim Publikum gut ankommen.

"Nur die Fake-Influencer, die von den Nutzerinnen und Nutzern bei Tiktok angenommen werden, laufen weiter."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Fourfront macht deutlich, dass es sich um erfundene Influencer handelt. Auch in den Hashstags wird das Wort #fictional eingestreut. "Aber ich würde doch bezweifeln, dass die Nutzer*innen das immer so checken", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

Denn viele Userinnen posten Kommentare, aus denen hervorgeht, dass sie sich Sorgen um die Influencer machen. Die Figur Sydney zum Beispiel wird gefragt, warum sie sich an dem Verlobten ihrer Schwester rächen will. Ihnen scheint nicht klar zu sein, dass hier eine Schauspielerin nach Drehbuch handelt.

Schauspielerin wird bedroht

Beim einem inzwischen eingestellten Account von Alice, die von der New Yorker Schauspielerin Nancy Kimball gespielt wurde, hatte die Produktionsfirma nicht angegeben, dass es sich um Fiktion handelt. Nachdem einige Follower das herausgefunden hatten, wurde Nancy Kimball angefeindet und bedroht.

Die Motivation für Fourfront, Tiktok-Accounts mit bezahlten Schauspielerinnen zu betreiben: Geld aus Werbeeinnahmen.

  • Kurz und Heute
  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova