Correctiv-Geschäftsführer David Schraven erklärt, wie das kleine Recherchebüro Facebook beim Aufspüren von Falschmeldungen helfen soll.

Im US-Wahlkampf haben Fake News eine große Rolle gespielt. Wie entscheidend sie für das Ergebnis waren, steht bis heute nicht fest. Welche Bedeutung falsche Storys und Meldungen für den Wahlkampf in Deutschland haben werden - darüber wird schon viel spekuliert. Auch David Schraven, Geschäftsführer vom Recherchebüro Correctiv, hatte sich im vergangenen Herbst Sorgen gemacht und Kontakt zu Facebook aufgenommen.

"Es wird nichts gelöscht, sondern markiert als - gegebenenfalls - Bullshit."
David Schraven, Geschäftsführer Correctiv

Es gab Gespräche und im Dezember hat Facebook sich dann beim Recherchebüro Correctiv gemeldet. Es ging darum, dass das Netzwerk in den USA ein Programm starten wolle, um gegen Fake News vorzugehen. David und sein Team wurden gefragt, ob sie nicht vielleicht an dem Programm in Deutschland mitarbeiten wollen. Die Idee: User kennzeichnen Beiträge als Fake News. Das Team von Correctiv checkt diese dann gegen und kennzeichnet sie, wenn nötig als Falschmeldung.

Das Ganze ist zunächst ein Test. Und auch das Correctiv-Team hat noch nicht auf alle Fragen eine Antwort: Wie viele Falschmeldungen wird es geben? Und welche? David geht davon aus, dass es relativ viele Nachrichten geben wird, die sich einfach überprüfen lassen. Etwa eine komplette Lüge wie "In Dortmund wurde die älteste Kirche Deutschlands abgebrannt. Da brauchst Du zur Faktenprüfung keine 20 Sekunden. In Dortmund ist nicht die älteste Kirche Deutschlands."

Glaubwürdigkeit durch Transparenz

Komplizierter werde es bei falschen Aussagen "mit Nebensätzen". Wenn es möglicherweise einen richtigen Kern gebe, der aber falsch gedeutet oder mit falschen Fakten ausgeschmückt wurde. "In meinen Augen ist die Landtagswahl in NRW die entscheidende Richtungswahl, ob es den Populisten gelingt, sich mithilfe von Falschmeldungen und Stimmungsmache durchzusetzen", sagt David. "Oder ob man es schafft, mithilfe von Aufklärung den Leuten eine Grundlage zu geben, dass sie eine informierte Wahlentscheidung treffen können."

Damit die User mitverfolgen können, wie David und seine Kollegen arbeiten, will das Team gleichzeitig die Arbeitsschritte und die Begründungen für eine Markierung als Fake News öffentlich machen.

"Wir glauben, auch wir machen Fehler, darum etablieren wir ein System, um die eigenen Fehler transparent zu machen. Ich glaube, diese Transparenz führt dazu, dass die Leute uns vertrauen können."
David Schraven, Geschäftsführer Correctiv

Bisher arbeiten die Correctiv-Journalisten ehrenamtlich für das Projekt. Wie es nach der Testphase weitergeht, weiß David noch nicht. Aber auf die Frage, warum Correctiv überhaupt für dieses Projekt arbeitet, hat er eine klare Antwort: "Weil wir die Aufgabe für so wichtig halten." Denn Fake News seien eins der Hauptprobleme, die unsere Demokratie derzeit habe.

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