Fake News sind deutlich älter als ihr Name. Die Bibel hat zum Beispiel einige davon zu bieten. Ihre Interpretation kann uns auch im Umgang mit heutigen Fakes helfen.

Was war Joseph eigentlich von Beruf. Und konnte die Schlange bei Adam und Eva wirklich sprechen? Die Bibel kann auf vielfältige Weise interpretiert werden.

Simone Paganini, Professor für Biblische Theologie an der RWTH Aachen, hat sich in seinem Buch "Von Evas Apfel bis Noahs Stechmücken" mit Fake News in der Bibel beschäftigt. 22 Bibel-Fakes hat er entdeckt.

"Bitte Leute, wenn ihr gläubig seid, lest die Bibel kritisch, wenn ihr nicht gläubig seid, lest die Bibel auch kritisch."
Simone Paganini, Professor für Biblische Theologie an der RWTH Aachen

Um die biblischen Falschmeldungen richtig lesen zu können, hat sich Simone Paganini in die Glaubenswelt, die jeweilige Zeit und die Motive der Menschen, die die Bibel damals geschrieben haben, hineingedacht. Das empfiehlt er auch für den heutigen Umgang mit Fake News.

Fake News entlarvt man durch ihren Kontext

Er arbeitet deshalb immer mit dem Zwei-Quellen-Prinzip, erzählt er: Eine Info glaube er erst, wenn er sie bei zwei unterschiedlichen Quellen gelesen habe und das Setting kenne, in dem sie veröffentlicht wurde. Das gelte für seine Recherche in Sachen Bibel genauso wie für die Rercherche im Netz.

"Der Begriff Fake-News ist neu. Aber die Tatsache ist so alt wie die Menschheit."
Simone Paganini, Professor für Biblische Theologie an der RWTH Aachen

Simone Paganini nutzt die Bibel-Geschichten um Fakes in verschiedene Kategorien zu unterteilen. Er unterscheidet das "unechte Fake", nach dem Motto: Sie wussten es nicht besser von den "echten" Fakes.

Ein "unechtes" Bibel-Fake beispielsweise sei die Schöpfungsgeschichte mit Adam und Eva - denn in der Antike seien die Menschen tatsächlich davon ausgegangen, dass Götter die Menschen basteln.

Die sprechende Schlange, die dann kommt, sei allerdings ein "echtes" Fake. Denn man könne davon ausgehen, dass auch die Menschen damals schon wussten, dass Schlangen nicht sprechen können.

In der Bibel gibt es unterschiedliche Fake-Arten

Die dritte Art Fake sei schließlich der Fake vom Fake: Aß Eva damals wirklich einen Apfel, oder hatte sie sich einfach nur schlecht benommen? Das lateinische Wort "malus, malum" könnte beides bedeuten.

Mit zeitlichem Abstand, sagt Paganini, sind alte Texte wie die Bibel wie geschaffen dafür, etwas über Fake-News zu lernen, wie wir richtig damit umgehen, und wie sie überhaupt entstehen: "Ich lese alte Texte und ich verstehe meine Gesellschaft heute besser", sagt Simone Paganini.