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In Großbritannien ist ein Polizist für die Vergewaltigung und den Mord an Sarah Everard verurteilt worden. Die Juristin Katharina Miller ordnet den Fall ein.

Sarah Everard war im März 2021 auf dem Heimweg in London, als ein Polizist sie zum Schein verhaftete und entführte. Der Mann ist nun wegen Mordes und Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Der Fall hat in Großbritannien und auch international die öffentliche Aufmerksamkeit auf Gewalt von Männern gegenüber Frauen gelenkt. Zusätzlich steht seitdem die Londoner Metropolitan Police im Verdacht, als Institution von Sexismus geprägt zu sein.

Diskussion bringt etwas Sicherheit

Die Juristin Katharina Miller sagt: "Leider sind wir Frauen in keinem Land dieser Welt sicher." Wo Femizide grundsätzlich öffentlich und auf nationaler Ebene diskutiert sowie öffentlich verurteilt werden, könne das allerdings einen Beitrag zur Sicherheit von Frauen leisten.

"Wenn Gewalt gegen Frauen von der Gesellschaft abgelehnt wird, dann können wir uns in diesem Land sicherer fühlen."
Katharina Miller, European Women Lawyers Association

Katharina Miller ist die Präsidentin der European Women Lawyers Association. Sie nennt als Beispiel für die Folgen des Mordes an Sarah Everard, dass im britischen Fernsehen ein Polizist offen nach institutionellem Sexismus in der Polizei gefragt wurde.

"Sky hat einen Polizisten vor laufender Kamera gefragt, ob die britische Polizei institutionell sexistisch sei."
Katharina Miller, European Women Lawyers Association

Sie weist auf erschreckende Zahlen aus Großbritannien hin. Ihr zufolge werden wöchentlich allein in England und Wales zwei Frauen von ihrem männlichen Partner getötet. Minütlich gehe bei der britischen Polizei ein Anruf wegen häuslicher Gewalt ein. In 89 Prozent der Fälle werde eine Frau von einem Mann misshandelt. Die britische Organisation Womens Aid gehe davon aus, dass nur 24 Prozent der Fälle überhaupt gemeldet werden.

Spaniens sensible Öffentlichkeit

Im internationalen Vergleich sei Spanien beispielhaft, was öffentliche Reaktion auf Gewaltverbrechen an Frauen angeht. Immer, wenn in Spanien ein Gewaltakt gegen Frauen publik wird, gebe es einen Riesenaufschrei im Land. Das Land trage Trauer, die Fahnen hingen auf Halbmast. "So etwas könnte ich mir in Deutschland in dieser Gestalt nicht vorstellen", sagt Katharina Miller. Diese sensiblere Öffentlichkeit in Spanien, sorge für ein etwas größeres Maß an Sicherheit für Frauen.

Die Juristin weist darauf hin, dass im Vergleich mit statistischen Zahlen des Bundeskriminalamts, die Zahl der Femizide in Spanien deutlich geringer sei als in Deutschland.

"In Spanien sind viel weniger Femizide passiert, also Frauenmorde durch Männer – durch Ex-Partner oder Partner, als in Deutschland."
Katharina Miller, European Women Lawyers Association