Regionale Unterschiede bei Infektionszahlen haben sich seit dem Anfang der Pandemie nicht angeglichen. Experten hatten das anders vorausgesagt. Der aktuellen Anstieg der Fallzahlen verteilt sich ähnlich wie zu Beginn. Dafür gibt es verschiedene Gründe, sagt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut.

In den östlichen Bundesländern gibt es deutlich weniger bestätigte Sars-CoV-2-Fälle als in den anderen Bundesländern. Das zeigen der täglich aktualisierte Lagebericht des Robert-Koch-Instituts und die interaktive Deutschlandkarte. Schon zu Beginn der Epidemie waren die Fallzahlen in Bundesländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen deutlich höher als beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern.

Andere Demografie und geringere Besiedlung im Osten

Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut in Bremen sagt, dass sich das auf unterschiedliche Ursachen zurückführen lässt. Zum einen liegt es an der etwas anderen demografischen Verteilung und an der etwas geringeren Besiedlungen in manchen Regionen im Osten Deutschlands. Hinzu komme, dass die älteren Menschen, die verstanden hätten, dass sie besonders betroffen seien, individuell ihr Verhalten angepasst hätten.

Auch die Anzahl der Urlaubsrückkehrer in den einzelnen Bundesländern trage unterschiedlich stark zum Anstieg der Fallzahlen bei, sagt Hajo Zeeb. Vor allem jüngere Menschen, damit sind nicht nur Jugendliche gemeint, sondern auch junge Familien, sagt der Wissenschaftler, wären stärker dafür verantwortlich, dass die Zahlen steigen als die älteren Menschen.

"Den Beginn eines Anstiegs von Zahlen sehen wir jetzt und der verläuft sehr ähnlich wie zu Beginn der ganzen Epidemie."
Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut in Bremen

Vor allem in ländlichen Gebieten seien die Chancen mit anderen in Kontakt zu kommen, viel geringer als beispielsweise in den Ballungsräumen in Nordrhein-Westfalen. Abschließende Schlüsse zieht der Wissenschaftler bisher nicht, weil er sagt, dass erst mal beobachtet werden muss, wie sich die Situation entwickelt.

Eine möglichen Grund für die geringeren Zahlen im Osten sieht er darin, dass die Menschen, die aus dem Urlaub zurückkommen, möglicherweise in anderen Ländern Urlaub gemacht haben, als diejenigen, die in westlichen oder südlichen Bundesländern leben. Zudem könne es sein, dass die älteren Menschen, sich – auch im Urlaub – möglicherweise verantwortungsvoller verhalten haben, sagt Hajo Zeeb.

Keine Einigung zu einer einheitlichen Regelung

Die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen und Bundeskanzlerin Angela Merkel konnten sich bei ihrem Treffen (27.08.2020) nicht auf eine einheitliche Regelung in den Bundesländern in Bezug auf die Corona-Epidemie einigen. Zum einen sagt Hajo Zeeb, dass es möglicherweise einfacher sei, klare einheitliche Vorschriften zu kommunizieren. Aber er sagt, dass auch unterschiedliche Regeln für verschiedene Bundesländer nachvollziehbar seien, weil die Fallzahlen sich so stark unterscheiden würden.

"Aus 'Kommunikationssicht' ist es sicherlich günstig, wenn man eine relativ einheitliche, klare Regelung hat. Aber in so einem großen Land wie Deutschland, mit diesen deutlichen regionalen Unterschieden, ist es vernünftig zu überlegen, 'was muss wo getan werden'."
Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut in Bremen