Karrierefrau und Mutter – das ist in vielen Branchen nicht so möglich, wie es sich Frauen wünschen, auch im Profifußball. Die erfolgreiche Nationaltorhüterin Almuth Schult will es trotzdem schaffen und setzt damit ein Zeichen.

Eineinhalb Jahre war Almuth Schult aus dem Profifußball raus, denn die bekannte Nationaltorhüterin und Bundesliga-Spielerin des VfL Wolfsburg ist im April 2020 Mutter von Zwillingen geworden.

Trotz des großen organisatorischen und zeitlichen Aufwands war für Almuth Schult aber klar, dass sie auch nach der Geburt weiter an ihrer Karriere als Profifußballerin festhalten möchte. Deshalb stand die Torhüterin vier Monate nach der Entbindung schon wieder auf dem Rasen. Vor einem Monat absolvierte sie dann ihr erstes Spiel gegen Eintracht Frankfurt mit einem 3:2 Sieg.

Almuth Schult scheint den Wiedereinstieg mit viel Kraft und familiärer Unterstützung geschafft zu haben – eine Problematik, die ihre männlichen Kollegen so nicht kennen, was neben dem Fußball auch für viele andere Branchen gilt. Schult fordert deshalb nicht nur mehr Unterstützung, sondern auch mehr Gleichberechtigung im Profifußball.

"Da sind wir schon noch in zwei verschiedenen Welten, und deswegen hoffe ich, dass wir irgendwann mal davon wegkommen in diesen Geschlechterrollen zu denken, weil es einfach um Fußball geht."
Almuth Schult, Nationaltorhüterin und Torhüterin beim WfL Wolfsburg

Gleiches Gehalt im Profifußball

Denn viele männliche Profifußballer könnten sich aufgrund des in der Regel deutlich höheren Gehalts eine Tagesmutter oder eine Kinderbetreuung für Zuhause leisten, sagt Almuth Schult. Vielleicht könne sich auch die Frau der Fußballer um die Kinder kümmern. In Almuths Fall arbeitet ihr Mann ebenfalls Vollzeit.

"Viele Fußballprofis können es sich oft leisten, eine Tagesmutter zu bezahlen. Vielleicht arbeitet die Frau nicht. Aber bei mir: Mein Mann arbeitet voll, und ich verdiene ja auch nur ein normales Gehalt."
Almuth Schult, Nationaltorhüterin und Torhüterin beim WfL Wolfsburg

Entscheidung für die Familie und gegen die Karriere

Lira Alushi, ehemals Bajramaj, hat einen anderen Weg als Almuth Schult eingeschlagen. Auch sie war vor der Geburt ihres ersten Kindes eine erfolgreiche Fußballspielerin. Sie spielte bei Paris St. Germain, gewann eine WM in China, die Champions League und bei den Olympischen Spielen. Doch ihr war immer klar: Bevor sie 30 ist, möchte sie Mutter werden.

Nach einem schnellen Wiedereinstieg in das Training nach der Geburt wurde Lira klar, dass sie es nicht schafft, ihr Kind, ihre Familie und den Fußball unter einen Hut zu bekommen.

"Sie haben jede Woche einen Trainingsplan geschickt, sie haben sich sehr bemüht, aber es hat nicht geklappt. Nicht, dass ich keine Leistung gebracht habe, aber es war nicht zu kombinieren: Baby, Ehemann und Fußball."
Lira Alushi, ehemalige Profifußballerin

Und obwohl sie weiterhin von Paris St. Germain ihr reguläres Gehalt bekam und viele Vereine ihr Angebote schickten, entschied sich Lira schließlich dazu, ihre Karriere vor der WM 2015 zu beenden. Auch, weil ihre Jobangebote nie mit denen ihres Mannes örtlich vereinbar waren. Sie habe deshalb ihre Karriere für die ihres Mannes geopfert, dafür aber auch etwas sehr Schönes bekommen: ihre drei Kinder.

"Ich hatte viele Angebote, aber mein Mann hatte woanders Angebote. Und das hat nie gepasst. Deshalb habe ich es geopfert. Aber auch für etwas ganz Schönes."
Lira Alushi, ehemalige Profifußballerin

Lira ist jetzt im Scouting-Bereich tätig und setzt sich für den Frauenfußball im Kosovo ein.

Auf Missstände aufmerksam machen

Sie hätte sich damals - so wie Almuth heute - eine bessere Unterstützung für Mütter im deutschen Profifußball gewünscht. Und damit Almuth Schult ihre Karriere auch weiterhin fortsetzen kann, wünscht sie sich unter anderem Betreuungsmöglichkeiten während der Trainingszeiten, wenn ihr Mann oder ihre Familie einmal nicht einspringen können.

"Für meinen Fall wäre es goldwert, wenn wir eine Betreuungsmöglichkeit während der Trainingszeiten gibt."
Almuth Schult, Nationaltorhüterin und Torhüterin beim WfL Wolfsburg

Dank Fußballerinnen wie Lira Alushi und Almuth Schult tut sich auch in einigen Fußballvereinen und auch beim Deutschen Fußballbund etwas. Denn erst seitdem die Frauen nachfragen und auf die Problematik hinweisen, kam der DFB überhaupt erst auf die Idee, Unterstützung anzubieten. DFB-Teammanagerin Maike Fischer berichtet, dass es beispielsweise mittlerweile einen pauschalen Unterstützungsbeitrag für die Kinderbetreuung geben wird.

Zudem schlägt die FIFA vor, dass Fußballvereine ihren schwangeren Spielerinnen und Trainerinnen 14 Wochen Mutterschaftsurlaub gewährleisten sollten und ihnen in dieser Zeit mindestens zwei Drittel des Profigehalts weiterhin zahlen sollten. Das sei zumindest ein Anfang zu mehr Gleichberechtigung, sagt Almuth Schult. Deshalb wird sie auch so schnell nicht aufgeben: Die Frauen-Europameisterschaft in England, die vermutlich 2022 stattfinden wird, ist jetzt Almuths großes Ziel für ihr internationales Comeback.