Da hängen sie: Die Klamotten, die seit Jahren im Schrank auf den einen Tag warten, an dem sie endlich zum Einsatz kommen. Doch leider schaffen es nur die wenigsten von uns auf den roten Teppich. Die Konsequenz: Ein Schrank voller ungenutzter Teile.

Ein hautenges, silbernes Abendkleid, ein schimmernder, roter Jumpsuit aus den 80er Jahren, Schuhe mit endlos langen Absätzen - manche Kleiderschränke bieten uns die glamourösesten und ausgefallensten Möglichkeiten. Nutzen tun wir sie allerdings nur selten bis niemals. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rebekka Endler hat fünf Gründe erörtert, warum Klamotten zu Schrankhütern werden.

Ausgerüstet für Events, die nie stattfinden werden

Rebeka will für alle Eventualitäten vorbereitet sein – wer weiß, vielleicht klappt es eines Tages doch noch mit dem Nobel- oder dem Pulitzerpreis oder dem roten Teppich. Deshalb hat sie Utopie-Kleidung im Schrank hängen - für Events, die vermutlich nie stattfinden werden.

"Ich habe ganz viele Dinge in meinem Kleiderschrank, die ich nicht trage, bei denen ich aber denke, dass ich sie irgendwann tragen werde", sagt Sarah Gottschalk, eine der Gründerinnen der Plattform "This is Jane Wayne" für Mode, Lifestyle, Politik und Feminismus.

"Du bist vorbereitet für die Bühne, aber die fehlt die Bühne."
Sarah Gottschalk, Mitgründern der Plattform "This is Jane Wayne"

Für sie ist es kaum verwunderlich, dass wir dieses Bedürfnis haben, denn mit ausgefallenen Events wie glamourösen Festen, Strandurlauben oder Preisverleihungen wird für Klamotten geworben. Lena Schröder, Modedesignerin und Expertin für nachhaltige Mode nennt das: Inszenierung unserer Sehnsüchte.

Oft wüssten viele aber gar nicht genau, welche Klamotten ihnen stehen und kaufen einfach ein Kleid für den eventuellen Strandurlaub oder eine weiße Bluse für die nächste mögliche Gartenparty.

Kunstvolle Kleidung

Sarah Gottschalk und Lena Schröder haben noch eine andere Kategorie von ungetragenen Klamotten in ihrem Schrank: Klamotten, die künstlerisch spannend sind, zum Tragen aber kaum geeignet. Sarah Gottschalk hat beispielsweise einen ganzen Schuhschrank voll davon. Die Teile zu besitzen, mache sie dennoch glücklich, sagt sie.

Auch Lena Schröder erzählt, dass sie in Berlin auf einem Flohmarkt eine Shorts von einer Modestudentin gekauft hat. Sie habe sich in die Shorts sofort verliebt, einen Anlass zum Tragen habe sie allerdings noch nicht gefunden – vor allem, weil man sich mit der Shorts nicht gut hinsetzen könne.

Klamotten für Wetter, das nicht existiert

Unpraktisch sind auch Klamotten, in denen man gleichzeitig friert und schwitzt. Ein Beispiel: Der Wollpullunder. Rebekka hat so einen von Friends-Figur Rachel nachgekauft und schnell gemerkt, dass ein warmer Wollpullunder mit nackten Ärmeln und auf nackter Haut bei keinem Wetter so richtig passt.

"Rachel von Friends hatte einen Wollpullunder. Kurz darauf ich auch. Seitdem warte ich auf die Situation, wo mein Rumpf viel Wärme braucht, meine Arme aber nicht."
Rebekka Endler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Sich in Outfits reinhungern

Ein weiterer Grund, warum wir manche Teile nie tragen: Wir kaufen sie eine Nummer zu klein in der Hoffnung, dass wir irgendwann abnehmen und dann reinpassen. Vor allem Frauen würden dazu neigen, sagt Sarah Gottschalk.

"Es ist wohl so, dass Frauen immer dazu neigen, eine komplette Konfektionsgröße kleiner zu kaufen, weil das wünschenswert für sie wäre und sich dann vielleicht auch da 'reinhungern' möchten."
Sarah Gottschalk, Mitgründern der Plattform "This is Jane Wayne"

Eine unnötige Folter, denn Konfektionsgrößen funktionieren nicht wie DIN-Normen, sondern werden vollkommen willkürlich von den Designerinnen und Designern bestimmt, sagt Rebekka. Ob Größe 36, 40 oder 44 - egal, Hauptsache es sitzt.

Das Problem mit Fast Fashion

Und dann gibt es noch die Klamotten, die wir nur kaufen, weil wir einfach Lust auf Shoppen haben. Mode ist in den letzten 15 Jahren so billig geworden, dass wir uns so gut wie alles leisten können, sagt Modeexpertin Lena Schröder. Dazu komme, dass wir regelrecht dazu konditioniert wurden, dass es ein gutes Gefühl ist, mit vollen Taschen nach Hause zu kommen.

"Mode ist über die letzten 15 Jahre so billig geworden, dass wir uns auch eigentlich alles immer leisten können."
Lena Schröder, Expertin für nachhaltige Mode

Das Glücksgefühl nach dem Shoppen ist allerdings nicht von langer Dauer, wie Studien gezeigt haben. Glückshormone verschwinden nach dem Shopping-Hoch sehr schnell.

Klamotten leihen statt kaufen

Wer also nicht nur nachhaltig glücklich sein möchte, sondern sich auch nachhaltig für die Umwelt verhalten will, sollte sich nach anderen Konzepten umsehen. Lena Schröder hat deshalb beispielsweise die Kleiderei gegründet.

Das Konzept: Lokale Stores bieten Secondhandklamotten und faire Mode an, die man aber nicht kaufen, sondern nur leihen kann. Die Lebensdauer der Klamotten kann sich so auf das Maximum erhöhen und im Kleiderschrank Zuhause bleibt dafür mehr Luft für die Lieblingsstücke.