Viele Frauen bekommen von ihren Arbeitskollegen Sprüche über ihre Kleidung zu hören. In der Ab21 klären wir, wie sexistisch das eigentlich ist und wie es umgekehrt bei den Männern so aussieht.

Tijen Onaran ist CEO des Netzwerks Global Digital Women. Sie setzt sich dafür ein, dass Frauen in der Politik und Wirtschaft sichtbarer werden. Obwohl sie sich selbst gern auffällig kleidet, will sie von anderen nicht auf ihr Äußeres reduziert werden. Im Gespräch erzählt uns Tijen Onaran, warum das Outfit bei Frauen oft zum großen Thema wird und bei Männern eher selten.

"Ich kann ja nichts dafür, dass Männer nur zwei Farben für Anzüge haben: Schwarz und dunkelblau. Das heißt aber nicht, dass ich genauso herumlaufen muss."
Tijen Onaran, CEO des Netzwerks Global Digital Women

Die Soziologin Sabine Kraus hat Kleidungsstile und die Selbstwahrnehmung von Frauen in technischen Berufen untersucht. In der Sendung hält sie ein flammendes Plädoyer für Angela Merkels Outfits. Außerdem erfahren wir, was der Hosenanzug angeblich mit Kompetenz zu tun hat.

Outfit: Kompetenz und Neutralität

Wenn es um Kleidung geht, dann kennt Phenix sowohl die männliche als auch die weibliche Perspektive. Sie ist trans* und kleidet sich erst seit Kurzem als Frau. Phenix glaubt, dass Outfits genderübergreifend von den Mitmenschen kommentiert werden. Von extra als genderneutral gelabelter Mode ist Phenix wenig beeindruckt und verweist darauf, dass "männliche" und "weibliche" Mode ein kulturelles und gesellschaftliches Konstrukt ist.

"Am Ende ist doch jedes Kleidungstück unisex. Das Konstrukt, was Männer und Frauen tragen, ist doch von uns als Gesellschaft gemacht. Am Ende ist alles für alle."
Phenix, Model, Aktivistin, Podcast-Host

Wissenswertes zu Kleidung und Sexismus

  • Dass Kleidung am Arbeitsplatz oft zum Objekt sexistischer Kommentare wird, kommt nicht von ungefähr. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat 2019 1500 Beschäftigte in Unternehmen befragt. Jede elfte der befragten Personen hatte in jener Zeit sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz erfahren. Wenig überraschend: Frauen waren davon mehr als doppelt so häufig wie Männer betroffen.
  • Warum Kleidung auf der Arbeit überhaupt zum Thema wird? Vielleicht, weil es immer einen Dresscode gibt, sagen Psychologen. Denn selbst wenn dieser nirgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht, richten wir uns oft nach dem Kleidungsstil der Kolleginnen und Kollegen.
  • Der Alltagssexismus in der Kleiderwelt wird sogar durch Suchmaschinen wie Bing oder Yahoo befeuert. Warum? Tippt man (mit "Safe Search Off") etwa männertypische Vornamen in das Suchfeld, erscheinen überwiegend Männer in Anzügen. Bei der Suche von frauentypischen Vornamen bekommen wir hingegen nackte Hintern und Brüste präsentiert. Sogar pornografische Inhalte landen hier schon auf Seite eins.
  • "War das jetzt wirklich sexistisch gemeint oder ein ungeschickt formuliertes Kompliment?" Grenzüberschreitende Kommentare von Männern am Arbeitsplatz lassen sich von Betroffenen nicht immer als solche entlarven. Das belegt auch die Pilotstudie "Sexismus im Alltag" vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
  • Aber selbst bei Hitze keine nackte Haut im Job? Dafür sprechen sich laut einer Umfrage von Monster Deutschland und YouGov gerade einmal acht Prozent aller Deutschen aus. 37 Prozent kommen damit klar, wenn die Arme freigelegt sind. 38 Prozent wünsche sich, dass im Sommer jeder das trägt, was für ihn oder sie angenehm ist.

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