Alexandra Ueberschär verdient ihr Geld damit, andere Menschen in den Arm zu nehmen. Sie weiß, wie wir uns auch selbst liebevoll berühren können.

Kuschelabende in der Gruppe oder Einzeltermine, bei denen mit einer Therapeutin geschmust oder einfach nur die Hand gehalten wurde – so sah der Arbeitsalltag von Alexandra Ueberschär vor der Corona-Pandemie aus. Denn: Zusammen mit ihrer Kollegin Alicja Behrens hat die gelernte Krankenpflegerin und Coachin im Jahr 2019 eine Kuschelpraxis in Hamburg aufgemacht. Dort verdient sie ihr Geld damit, dass sie Menschen professionell in den Arm nimmt – Erotik oder Sexualität spielen dabei keine Rolle. Seit zwei Monaten hat die Praxis nun zu.

Das Team hat deshalb eine Meditation entwickelt, die die mangelnde Nähe zu anderen Menschen während der Corona-Pandemie, aber auch sonst immer, ausgleichen soll. Dabei gehe es darum Geist und Körper zusammenzubringen und zu lernen, wie wir uns durch Selbstberührungen, ohne einen sexuellen Kontext, ein gutes Gefühl geben könnten, so die "Kuscheltherapeutin", wie sie sich selbst nennt.

"Selbstberührung passiert eigentlich nur im erotischen Kontext, aber für die Beziehungspflege zu uns selbst fehlen uns die Role-Models."
Alexandra Ueberschär, Kuscheltherapeutin

Wenn wir lange Zeit keine anderen Menschen berührt haben, dann verlernen wir die Streichelfähigkeit. Die gute Nachricht ist: Zumindest die Beziehungspflege zu uns selbst und damit einhergehend die Selbstberührung lassen sich (wieder)erlernen und üben – und können zumindest ein wenig die fehlenden Umarmungen von lieben Menschen ersetzen.

Alexandra Ueberschär: So können wir Selbstberührungen trainieren

  • Wenn wir uns zum Beispiel abends schlafen legen, sollten wir zunächst unser Smartphone weglegen-
  • Anschließend sollten wir ausprobieren, was uns gut tut. Wir sollten uns dabei fragen: "Wo auf meinem Oberkörper möchten meine Hände liegen?"
  • Eine Möglichkeit sei es, die Hände für einen längeren Zeitraum auf unser Gesicht zu legen und das auf uns selbst wirken zu lassen, wie sie erklärt. Denn: "Hände auf dem Gesicht können etwas sehr tröstendes haben. Das ist wie eine Umarmung."
  • Neben dem Gesicht sind auch die Stirn oder der Bauch gute Stellen für die Selbstberührung.
  • Um unsere Selbstwahrnehmung zusätzlich zu stärken sollten wir auf eine bewusste Atmung achten.
  • Während wir das tun, sollten wir uns beobachten. Die Fragen "was passiert mit mir?", "wie geht es mir dabei?", "welche neuen Gedanken oder neuen Gefühle kommen gerade auf?", oder "was macht das mit mir?", könnten uns zusätzlich in unserer Selbstwahrnehmung unterstützen.
  • Was uns gefällt, sollten wir in unseren Alltag einbauen.

Warum wir Berührungen brauchen:

  • Körperliche Nähe ist gut für uns. Denn: Wenn wir uns umarmen, dann ist mit der Haut unser größtes und empfindsamstes Organ beteiligt. Es sorgt dafür, dass unser Körper Hormone wie den stimmungsaufhellenden Neurotransmitter Dopamin ausschüttet. Außerdem entstehen Hormone wie Oxytocin, die uns beruhigen und uns beim Abbau von Stress helfen.
  • Wenn wir uns in die Arme nehmen, dann wird unsere Atmung flacher, unsere Herzfrequenz langsamer, und unsere Muskulatur entspannt sich – wir fühlen uns rundum wohl. Das ist nicht nur gut für uns, sondern auch für unser Umfeld und unsere Beziehungen zu anderen Menschen. Eine amerikanische Studie belegt, dass Umarmungen sogar unsere Konflikte mit anderen Menschen abschwächen.