Auch wenn wir eine Serie nach der anderen schauen: Viele legen zwischen verschiedenen Serien eine Pause ein und lassen ein paar Tage vergehen, bevor die nächste Staffel dran ist. Und das ist auch gut so, meint die Psychologin Denise Ginzburg.

Erst "Emily in Paris", dann "The Crown" und weiter mit "The Prom"? Vielleicht. Aber viele Seriengucker machen vor einer neuen Serie gern eine Pause – im Schnitt drei Tage lang. Zu diesem Ergebnis kommt Netflix – nach einer Analyse des Nutzerverhaltens auf der Seite.

"Wenn eine Serie fertig ist, dann findet ein Verabschieden statt, wie ein Mini-Trauerprozess. Man könnte fast sagen, wie nach einer Beziehung."
Denise Ginzburg, Psychologin

Bei guten Serien, die uns berühren, verbinden wir uns mit den Charakteren, sagt die Psychologin, die Menschen dort werden fast zu einer Art Ersatzfamilie. Und wenn eine solche Serie endet, müssen wir Abschied nehmen, und das dauere eben.

Neuorientierung zwischen den Serien

Die Pause nach einer abgeschlossenen Serie diene der Neuorientierung, sagt Denise Ginzburg. Es fühle sich einfach nicht richtig an, direkt in eine neue einzusteigen – so wie wir ja auch nicht nahtlos von einer Beziehung in die nächste wechseln.

"Wir steigen ein mit Kopf und Herz."
Denise Ginzburg, Psychologin

Eine gute Serie sei vergleichbar mit einem richtig guten Buch, so Denise Ginzburg. Wir steigen komplett ein, lassen alles andere links liegen: "Manche vergessen sogar zu essen." Wenn wir emotional dabei sind, erfülle uns das auf eine gewisse Weise. Die neue Serie werde zur Passion.

Comedyserien nehmen uns weniger mit

Das gilt jedoch nicht für alle Serien, meint die Psychologin: Comedyserien wie "Friends" oder "Die Simpsons" schauen viele dauerhaft und nebenbei, manchmal auch nur mit einem Auge, während sie noch etwas anderes tun.

Denise Ginzburg vergleicht solche Serien mit einem Groschenroman, der oberflächlich und unterhaltsamer sei, wo es aber nicht um Leben und Tod geht, wo keine erschütternden oder wirklich dramatischen Dinge passieren.