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In einem pandemiefreien Jahr hätten viele von uns wahrscheinlich jetzt schon die Sommermonate geplant – samt Urlaub und: Festivals. Schon 2020 war ein hartes Jahr für Festivalfans. Wir erzählen euch, wie die aktuellen Planungen für diesen Sommer aussehen.

Das Immergut Festival in Neustrelitz ist normalerweise eines der ersten Festivals im Jahr. Aber im Jahr 2021 ist es vorsorglich schon Ende Januar vom Mai in den August verlegt worden. Die meisten anderen Festivals sind bei ihren geplanten Terminen geblieben und sollen – Stand jetzt – auch offiziell stattfinden. Trotzdem rechnet niemand mit einer normalen Festivalsaison, berichtet Anke van de Weyer von Deutschlandfunk Nova.

"Dass die Festivals offiziell stattfinden sollen, heißt nicht, dass irgendjemand damit rechnet, eine normale Saison zu haben."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Das Primavera Festival in Barcelona hat die Ausgabe für dieses Jahr gerade gestrichen. Und Glastonbury ist schon länger abgesagt.

Verbindliche Planung unmöglich

In der aktuellen Situation ist es für die Festivals quasi unmöglich, irgendwas konkret zu planen. Es fehlen einfach die verbindlichen Ansagen aus der Politik. Die Festivalleute würden gerne konkret mit der Organisation beginnen, aber sie können nicht. Das hat uns etwa das Puls Open Air in Kaltenberg in Oberbayern und das Rocco del Schlacko Festival in Püttlingen im Saarland bestätigt.

Was passiert zum Beispiel, wenn ein geplantes Festival wegen Corona abgesagt werden muss? Es gibt zwar grobe Pläne zur Förderung von Festivals – aber wie die genau aussehen, ist noch nicht klar. Viele Veranstalter hatten gehofft, nach dem Bund-Länder-Treffen in der vergangenen Woche näheres zu erfahren. Doch das ist nicht passiert. Dementsprechend wächst in der Branche der Frust.

Mögliche Förderung von Festivals

Eine Möglichkeit wäre beispielsweise ein Förder-Topf, eine Art Versicherung: Wenn ein Festival etwa unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes geplant und genehmigt worden ist – dann aber doch abgesagt werden muss – könnten die entstehenden Kosten aus diesem Topf gedeckt werden. Aktuell sind die bestehenden Hilfsmaßnahmen hier aber noch nicht konkret genug.

In Niedersachsen haben sich 32 Veranstaltungen zusammengeschlossen und ein Positions-Papier herausgegeben. Forderung: Die Festival-Saison muss verbindlich planbar gemacht werden. Auch das Appletree Garden Festival, das für August geplant ist, ist daran beteiligt.

Die Hauptforderungen:

  1. Es soll einen klaren Handlungsspielraum für die Zusammenarbeit von Festivals und Behörden geben – es muss verbindlich kommuniziert werden, was geht und was nicht.
  2. Die Genehmigung von Festivals soll unabhängig von lokalen Inzidenzwerten sein – es soll nach den Infektionsschutzkonzepten entschieden werden.
  3. Bei einer behördlichen Absage soll ein Großteil der Kosten übernommen werden, wenn eine Veranstaltung vorher genehmigt worden ist.
"In dem Papier wird gefordert, dass die Genehmigung von Festivals unabhängig von lokalen Inzidenzwerten ist, sondern dass nach den Infektionsschutzkonzepten entschieden wird."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Aus dem Positionspapier heraus wurde auch die Idee einer Task Force entwickelt, berichtet Anke van de Weyer. In dieser sollen "verbindliche Qualitäts- und Beurteilungskriterien" für Festivals entwickelt werden. Dort sollen Fachleute, die sich mit Veranstaltungssicherheit und Infektionsschutz auskennen, mit Behörden wie den Gesundheitsämtern und den Festivals selbst zusammenarbeiten. Problem: Die Zeit dafür wird immer knapper. Ein Festival mit ein paar tausend Leuten organisiert sich nicht innerhalb von einer Woche.

Idee: Task Force mit Fachleuten

Momentan handhaben es die Festivals noch total unterschiedlich: Für manche Veranstaltungen könnt ihr bisher noch ganz "normal" Tickets kaufen. Andere bieten noch gar keine an. Bei einigen war es so, dass man ein verfallenes Ticket aus dem letzten Jahr in 2021 mitnehmen konnte.

Wer schon Tickets hat oder sich unbedingt auf Verdacht eines kaufen möchte, muss sich wahrscheinlich nicht allzu große Sorgen machen, am Ende auf der Kohle sitzen zu bleiben, sagt Anke van de Weyer. Falls die Veranstaltung ausfällt, dürfte das Prozedere ähnlich laufen wie 2020: Entweder, ihr bekommt euer Geld zurück, oder ihr könnt euch das Ticket ins nächste Jahr übertragen lassen.