Wenn wir eine alte Festplatte weiterverkaufen, dann löschen wir vorher die Daten. Klar. Auf Ebay-Kleinanzeigen zum Beispiel, gibt es jede Menge solcher gebrauchter Festplatten – zum Teil auch von Unternehmen. Eine Recherche vom Bayerischen Rundfunk zeigt jetzt aber, dass solche gebrauchten Festplatten oft noch jede Menge sensibler Daten enthalten.

Hakan Tanriverdi ist Datenjournalist und war an dieser Recherche beteiligt. Zusammen mit seinem Team hat er alte Festplatten gekauft, ausgewertet und dann Menschen getroffen, denen diese Festplatten mal gehört haben, beziehungsweise von denen sie noch Daten finden konnten.

Daten vom Einwohnermeldeamt und von Zahlungsdienstleistern

Die Journalisten haben bei ihrer Recherche sogar eine Festplatte gefunden, die von einem Einwohnermeldeamt in der Nähe von Köln stammt. Darauf waren sehr sensible Datensätze: "Und auf diesen Datenträgern waren neben Passfotos und Unterschriften auch sämtliche Dinge enthalten, die anfallen, wenn man zu einer Behörde geht: Heiraten, Kind bekommen, Pass verloren. Solche Anträge haben wir auch gefunden", sagt Hakan Tanriverdi.

"Und auf diesen Datenträgern enthalten, waren neben Passfotos Unterschriften auch sämtliche Dinge, die anfallen, wenn man zu einer Behörde geht."
Hakan Tanriverdi, Datenjournalist beim Bayerischen Rundfunk

Eine Frage, die das Team versucht hat zu beantworten, ist: Warum wurden diese Daten nicht von den Festplatten gelöscht?

Das Löschen der Daten ist vertraglich festgeschrieben

Wenn Behörden oder Unternehmen alte Rechner durch neue ersetzen, kommen in der Regel externe Dienstleister ins Spiel, die sich um das alte Material kümmern. Laut Verträgen gehört das Löschen der Festplatten auch dazu. Hier muss aber laut des Recherche-Teams der Fehler passiert sein. Zumindest ist es naheliegend: "Auf dem Papier funktioniert das", sagt Hakan Tanriverdi, "aber in der Realität – das ist so ein Hinweis der Recherche – scheint es nicht immer zu funktionieren." Sonst wären die Daten nicht auf Ebay-Kleinanzeigen gelandet.

"Wir mussten da jetzt nicht irgendwelche Tricks anwenden, um wieder an die Daten zu kommen. Wir haben die Fesatplatten angeschlossen. Die Daten waren da."
Hakan Tanriverdi, Datenjournalist beim Bayrischen Rundfunk

Das krasseste Beispiel war für Hakan und sein Team eine Festplatte, die Daten vom Zahlungsdienstleister Klarna enthielt. Wenn man etwas überweisen will, ist es oft eine Option, per Klarna zu zahlen. Eine Tochter des Unternehmens heißt Billpay. "Von denen hatten wir eine Festplatte, und dort war ein Ordner, und dort stand dann "Unterlagen für das LKA. Da waren auch Passwortdaten enthalten, wenn wir gewollt hätten. Das ist natürlich illegal. Aber wenn wir gewollt hätten, hätten wir uns in verschiedenen Stellen in das Netzwerk einloggen können. Das wäre auch kein Problem gewesen.“

Daten am besten auch verschlüsseln

Hakan Tanriverdi sagt, dass moderne Betriebssysteme – egal ob Windows oder Mac – zwei Funktionen anbieten. Einerseits können wir Daten löschen. Andererseits lassen sich Festplatten auch verschlüsseln. "Wenn ein System runtergefahren wird, dann ist diese Festplatte automatisch verschlüsselt. Und das bedeutet wenn jemand drankommt und das Passwort nicht hat, kommt er an die Daten nicht ran", sagt der Datenjournalist.

Was viele Leute nicht wissen: Wenn wir Dateien in den Papierkorb werfen, dann sind die Dateien nicht unbedingt gelöscht. "Selbst wenn man dort auf Löschen klickt, ist das nicht gelöscht, sondern wird auf der Festplatte nur als frei markiert. Das heißt, solange auf den Festplatte dieser Bereich nicht neu überschrieben wird, ist die Datei weiterhin vorhanden", erklärt Hakan Tanriverdi.