Bei den Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland herrscht Nachwuchsmangel. Die Gemeinde Grömitz in Schleswig-Holstein hat daher ihre Bürger zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Ein Nebeneffekt: Plötzlich meldeten sich viele freiwillig.

Die Freiwillige Feuerwehr der Ostseegemeinde Grömitz hat zu wenig Freiwillige – so wie viele andere Städte in Deutschland. Daher stand im Dezember 2018 fest: In Grömitz sollen alle geeigneten Bürgerinnen und Bürger zum Feuerwehrdienst verpflichtet werden – sie werden also Zwangsmitglied in der Freiwilligen Feuerwehr.

Die braucht es, damit die Grömitzer Feuerwehr einsatzbereit ist. Denn: Die Aufgaben der Feuerwehr haben sich in den letzten Jahren verändert. Ähnlich wie in vielen anderen deutschen Städten rückt die Feuerwehr nicht nur aus, um Brände zu bekämpfen, sondern birgt auch Verletzte nach Autounfällen, beseitigt Ölspuren oder ist bei Badeunfällen im Einsatz.

Und: Das schleswig-holsteinische Brandschutzgesetz ermöglicht eben eine Verpflichtung zum "Dienst in der Pflichtfeuerwehr als ehrenamtliche Tätigkeit für die Gemeinde" aller Einwohnerinnen und Einwohner vom vollendeten 18. bis einschließlich 50. Lebensjahr. Davon ausgeschlossen sei unter anderem, wer nicht den gesundheitlichen Anforderungen des Feuerwehrdienstes nachkommen könne. Bis zu zwölf Jahre könne die Verpflichtung andauern, schreibt das Gesetz vor.

"Wir haben die Stärke, die wir hier haben müssen für den Ort Grömitz, um die Hälfte unterschritten. Und da helfen eben nicht ein oder zwei Eintritte, sondern man braucht dann wirklich einen starken Block, der eintritt, um die Lücke zu füllen."
Jacob Revenstorf, Leiter einer der Grömitzer Feuerwehren

Das Ergebnis in Grömitz nach einem Jahr Zwangsverpflichtung: Acht neue Feuerwehrmitglieder haben mittlerweile ihren Dienst angetreten. Eines der Hauptprobleme, geeignete Mitglieder zu finden, ist Zeit. Denn die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr müssen nicht nur ausrücken, wenn es wirklich brennt, sondern erstmal eine Ausbildung durchlaufen und Übungen mitmachen.

Sind die Brandbekämpfer zum Einsatz gerufen, muss der Arbeitgeber sie freistellen.

Freiwillige Feuerwehr: Zwischen Alltag und Einsatz

Für einige Grömitzer könnte das ein Problem sein, denn viele von ihnen leben vom Tourismus. Das bedeutet: Manche der Einwohner haben lange Wege zur Arbeit oder arbeiten in zwei Berufen, um sich ihr Einkommen zu sichern. Finn Hennings, Leiter einer der sechs Feuerwehren von Grömitz, meint aber: Es gebe keinen Job, der sich nicht mit einem Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr vereinbaren lasse.

Das scheinen auch viele andere Grömitzerinnen und Grömitzer mittlerweile so zu sehen – obwohl es vor einem Jahr noch einen Mangel gab. Denn: Nachdem in den Medien über die Zwangsverpflichtung berichtet wurde, haben sich etwa 50 Bürger freiwillig gemeldet, wie der Grömitzer Bürgermeister Mark Burmeister berichtet. Der Weg zur Pflichtwehr war für sie offenbar ein Erfolg.

Die Pflichtfeuerwehr gewährleistet den Brandschutz

Wer zum Feuerwehrdienst verpflichtet werden kann, ist in Deutschland über die jeweiligen Landesgesetze geregelt. Neben Schleswig-Holstein gab es auch schon in Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zeitweise Pflichtfeuerwehren.