Die Die FIFA WM 2014 in Brasilien ist auch eine WM der Schiedsrichter. Über strittige Szenen und Entscheidungen sprechen wir jede Woche mit den Machern von Collinas Erben - einem Weblog von Schiedsrichtern, für alle, die sich für den Mann mit der Pfeife interessieren. Im Fokus heute (17.04.14): Der Platzverweis von Portugals Pepe.

Bei der Fußball-WM in Brasilien waren an den ersten Tagen nicht nur spannende Spiele und schöne Tore ein Thema, sondern auch die Leistungen der Schiedsrichter. Wegen einiger fragwürdiger Entscheidungen sahen sich die Unparteiischen teilweise heftiger Kritik ausgesetzt. Gesprächsstoff lieferten aber auch Neuerungen, die den Referees die Arbeit erleichtern sollen, wie die Torlinientechnologie und das "Freistoßspray".

"Aus meiner Sicht lag hier ein Grenzfall vor, bei dem auch die Gelbe Karte genügt hätte"
Alex Feuerherdt, ehem. Schiedsrichter und Autor bei Collinas-Erben

War der Elfmeter, der zum 1:0 der deutschen Nationalmannschaft im Spiel gegen Portugal führte, wirklich berechtigt? Hatte der Schiedsrichter tatsächlich keine andere Wahl, als den portugiesischen Verteidiger Pepe vom Platz zu stellen? Und verlief der erste WM-Einsatz des deutschen Unparteiischen Felix Brych ähnlich erfolgreich wie das Auftaktspiel der DFB-Elf? Nicht zuletzt darüber sprachen wir mit Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben. Er erklärte auch, von wem und nach welchen Kriterien die Referees zu ihren WM-Spielen eingeteilt werden und wie er zu der Kritik an den Schiedsrichtern steht.

Erste Torentscheidung mit Goal Control

Erstmals bei einer Weltmeisterschaft im Einsatz sind Neuerungen wie das "Freistoßspray" und die Torlinientechnologie. Während die Sprühdose weiterhin umstritten ist und teilweise sogar für handfesten Ärger gesorgt hat, bewährte sich das Überwachungssystem Goal Control beim Spiel zwischen Frankreich und Honduras auf geradezu spektakuläre Weise. Denn weder mit bloßem Auge noch in der verlangsamten Wiederholung war zweifelsfrei zu erkennen, ob der Ball beim 2:0 für die Franzosen die Linie vollständig überschritten hatte. Erst die Technik sorgte für Klarheit – und das in Echtzeit.

Viele andere Entscheidungen müssen die Schiedsrichter auch weiterhin ohne Hilfsmittel treffen und durchsetzen. Zudem verfügen sie, anders als die Fernsehzuschauer, nicht über "Zeitlupenwissen" – für ihre Entscheidungen bleiben ihnen meist nur Sekundenbruchteile. Dabei bleibt so mancher Fall auch nach mehrfacher Betrachtung unklar, oder lässt nicht nur eine Entscheidungsmöglichkeit zu. Das erschwert den Unparteiischen einerseits ihr Amt – ist für sie andererseits aber auch eine Herausforderung, die sie oft besser meistern, als es die öffentlichen Reaktionen vermuten lassen.

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