Die offizielle Biografie von Sebastian Kurz, dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler, lese sich wie eine Mix aus Heimatfilm, Kitschroman und Fanbuch. Das sagt die Falter-Redakteurin Barbara Tóth. Sie vermutet, dass seine Wählerschaft trotzdem weiter zu ihm halte.

Seitdem Leseproben des Buches "Sebastian Kurz: Die offizielle Biografie" verschickt wurden, trendet der Hastag FiftyShadesOfKurz in den sozialen Medien. Der Vergleich zum Soft-Porn-Klassiker "Fifty Shades Of Grey" komme auf, weil besonders der Prolog dramatisch geschrieben sei, meint Falter-Redakteurin Barbara Tóth.

"Zunächst erblickte ich nur eine Silhouette. 'Ist er es wirklich?', dachte ich mir. Ich sah lediglich einen Teil eines Kopfes, doch der kam mir bekannt vor. Diese dunkelbraunen Haare, die streng nach hinten gekämmt waren, und die kleine, spitze Nase, die aus seinem Gesicht hervorlachte."
Auszug aus dem Prolog von "Sebastian Kurz: Die offizielle Biografie"

Hier beschreibt die Autorin der Biografie, Judith Grohmann, das erste Treffen mit dem ehemaligen Bundeskanzler Österreichs im Detail. Die restlichen dreihundert Seiten erinnern die Falter-Redakteurin eher an ein biederes, braves Jubelwerk. Für sie sei das Gesamtwerk daher für eine Zielgruppe mit gebrochenem Herzen und Interesse an Politik geschrieben.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Diskussion um die Autorin

Nicht nur über den Stil der Biografie diskutiert die Öffentlichkeit derzeit, sondern auch über die Lebensgeschichte der Autorin des Texts. Der österreichischen Journalistin wird vorgeworfen, falsche Angaben zu ihrem eigenen Lebenslauf gemacht zu haben.

Gerade weil es sich bei dieser Biografie um ein autorisiertes Stück handle, sollte der Lebenslauf der Verfasserin besonders im Vorfeld von Sebastian Kurz und seinem Team überprüft werden. Ein so erfolgreicher und populärer Politiker wie Sebastian Kurz hätte sich für eine autorisierte Biografie jemanden suchen müssen, dessen eigne Biografie stimmig ist, meint Barbara Tóth. Die Falter-Redakteurin selbst hat 2017 im Anschluss an den ersten Wahlsieg des ehemaligen Bundeskanzlers, eine inoffizielle Biografie veröffentlicht.

Ungebrochen beliebt trotz #FiftyShadesOfKurz

Obwohl alles rund um die Biografie gerade ein großes Thema auf Social Media ist, wird das die Anhängerinnen und Anhänger von Sebastian Kurz nicht negativ beeinflussen, schätzt Barbara Tóth. Im Gegenteil: Sie würden sich eher mit ihm solidarisieren. Die Diskussion im Netz befeuere daher eher den Standpunkt seiner Kritiker.