Reporterin Julia Finkernagel reist seit mehr als zehn Jahren immer wieder ostwärts. Im Frühjahr war die Filmemacherin war auf der estnischen Insel Kihnu unterwegs, wo man anhand der Rockfarbe erkennen kann, wie glücklich eine Frau gerade ist. Außerdem ist sie mit der transsibirischen Eisenbahn bis zum Baikalsee gereist.

Die Insel Kihnu liegt in der Bucht von Riga in der Ostsee. Nur 400 Menschen leben dort. Ihre Haustüren schließen sie nie ab – weil Betrunkene nachts jederzeit einen Schlafplatz zur Verfügung haben sollen. Das ist auf der Insel aber auch kein Problem, schließlich kennen sich hier alle.

Die estnische Insel Kinhu im Frühling
© Julia Finkernagel
Julia war im Frühling auf der Insel Kihnu.
"Es geht nicht um so ein Tagesglück. Sondern es geht um die großen Lebensphasen, in denen man sich befindet."
Julia Finkernagel, Reporterin und Filmemacherin

An der Rockfarbe kann man ablesen, in welcher Stimmung gerade eine Frau in Kihnu ist: Ein roter Rock signalisiert, dass eine Frau sehr glücklich ist. Ein blauer Rock hingegen steht für Trauer. Frauen, die eine Schürze zum Rock tragen, sind verheiratet.

Unabhängige Frauen auf Kihnu

Die Frauen auf Kihnu sind sehr unabhängig. Denn die Männer der Insel fahren seit jeher zur See, um dort zu fischen. Die Frauen sind Zuhause auf sich alleine gestellt und müssen dort alles regeln, erzählt Julia Finkernagel.

"Es sind sehr starke und sehr unabhängige Frauen. Das ist manchmal ein bisschen doof, wenn die Männer nach Hause kommen und merken, sie haben gar nichts mehr zu melden."
Julia Finkernagel, Reporterin und Filmemacherin
Frauen auf Kinhu mit Schürze sind verheiratet.
© Julia Finkernagel
Frauen, die Schürze tragen, sind verheiratet.

Julia arbeitet als Filmemacherin unter anderem für den MDR. Sie hat jetzt ein neues Buch über ihre Reisen in den Osten geschrieben, darin erzählt sie Geschichten aus Estland, Litauen, Lettland oder aus Sibirien.

Drehteam und Einheimische mit der Reporterin Julia Finkernagel
© Julia Finkernagel
Die Reise führte Julia Finkernagel und ihr Drehteam auch in das Ural-Gebirge.

Anfang des Jahres, kurz vor dem Lockdown, konnte sie sich einen Lebenstraum erfüllen und mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee fahren. Sie hat sich für einen Platz im Sammelschlafwagen entschieden: zusammen mit rund 50 anderen Menschen. Unter anderem übernachtete dort auch das Symphonie-Orchester von Moskau.

Julia Finkernagel am Baikalsee
© Julia Finkernagel
Julia Finkernagel am Baikalsee

Wenn ihr wissen wollt, warum sich Julia im Zug mit dem Namen "Zarengold" wie Anna Karenina gefühlt hat, dann hört euch das komplette Audio an.