Du glaubst, du hast eine normale Studioaufzeichnung und dann merkst du, dass du gerade am Film "The Revenant" mit Leonardo DiCaprio mitarbeitest. So ist es Daniel Orthey aus Lüneburg passiert. Mit dem Frantic Percussion Ensemble trommelte er für Leo.

Leo und der Bär. In The Revenant ist dieser Kampf inzwischen legendär. Genau wie die ganze Stimmung des Films: düster, zäh und treibend arbeitet sie sich durch die wilde Natur - und das auch zur Soundkulisse des Frantic Percussion Ensembles aus Norddeutschland. Ihre experimentellen Kompositionen aus Fahrradketten, Stricknadeln und Glocken haben es nach Hollywood geschafft. Dank Youtube - dort entdeckte sie der berühmte Film-Komponist Ryuichi Sakamoto, und bat sie verschiedene Szenen einzutrommeln.

Leo, Lüneburg und Los Angeles

Bis das Quartett bemerkte, mit wem sie es wirklich zu tun haben, dauerte es jedoch eine Weile. Zunächst outete sich der Mann, mit dem sie korrespondierten, nämlich nicht als Mitarbeiter von Ryuichi Sakamoto. Dafür war das Studio schnell gebucht. Wofür ihre Arbeit wirklich verwendet werden sollte, erzählt Musiker Daniel Orthey, wurde ihnen erst zwei Tage vor dem Studiotermin klar: als in einer Szenenanweisung der Name "Leonardo DiCaprio" auftauchte.

Aus den Studiosessions und der Zusammenarbeit zwischen Hamburg, Los Angeles und New York ergaben sich schließlich dichte, erdige Sounds und tiefe Klänge. Wie diese auf großer Leinwand wirken, davon überzeugte sich das Ensemble direkt am Premierenwochenende. Und wartete im Kinosaal natürlich auf den ultimativen Beweis ihrer Mitarbeit an dem Oscar nominierten Werk: "Wenn man ganz, ganz lange sitzen bleibt, sieht man auch unsere Namen im Abspann", schmunzelt Daniel Orthey.

"Am Anfang war es ein bisschen dubios und die Informationen sehr, sehr vage"
Daniel Orthey, Frantic Percussion Ensemble

Ganz so klein ist die Beteiligung des Ensemble übrigens nicht: In einer großen dramatischen Schlüsselsequenz sind sie zu hören und damit auch auf dem Filmsoundtrack vertreten. Erste Kontakte für Folgeaufträge sind bereits geknüpft. Und wer weiß, vielleicht tauchen die Jungs aus Norddeutschland mit ihrer Musik bald weiter vorne im Abspann auf.