Frankreich ist Weltmeister und besiegt Kroatien mit 4:2. Schiedsrichter Nestor Pitana traf bei diesem - wie auch beim Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft - die richtigen Entscheidungen. 

Der Argentinier Nestor Pitana ist der Schiedsrichter, der das Eröffnungsspiel und das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 gepfiffen hat. Alex Feuerherdt, Schiri-Ausbilder und Podcaster, bescheinigt dem Argentinier während des Turniers "bärenstarke Leistungen". 

Griezmanns Schwalbe schwer erkennbar

Gleich nach Minute 17 stand der Schiri selbst im Mittelpunkt des Geschehens - mit einem Freistoß für Frankreich, der zum 1:0 führte. Eigentlich hätte es den nicht geben dürfen. Aber als der französische Stürmer Griezmann in der Situation zu Boden ging, hatte auch Alex nicht den geringsten Zweifel, dass der von Pitana 
gegeben Freistoß berechtigt sei. Dieser Meinung war Alex auch noch nach der zweiten Zeitlupe, erst die dritte habe gezeigt, dass Griezmann schon zu Boden ging, bevor er von seinem Gegenspieler Brozović berührt worden sei.

"Es war eine Schwalbe. Leider - muss man sagen - sehr geschickt gemacht, so dass der Schiedsrichter das aus seiner Perspektive für ein Foul gehalten hat.
Alex Feuerherdt, Schiri-Ausbilder und Podcaster für "Collinas Erben"

Die Schwalbe sei so geschickt ausgeführt worden, dass Schiedsrichter Nestor Pitana es aus seiner Sicht für ein Foul gehalten habe. Einen Vorwurf könne dem Schiedrichter dafür nicht gemacht werden, so Alex Feuerherdt.

Diese Situation war auch keine, die durch den Videoassistenten hätte geklärt werden können, so unser Experte. Denn dieser dürfe nur in diesen vier Situationen eingreifen:

Wenn ein Tor gefallen ist.
Wenn es um einen Platzverweis geht.
Wenn es um einen Elfmeter geht.
Wenn Spieler bei einer Gelben oder Roten Karte verwechselt werden.

Einsatz des Videosassistenten im Finale Frankreich - Kroatien

Zum Einsatz kam der Videoassistent dann in der 34. Minute, nach einem Handspiel von Ivan Perišić im eigenen Strafraum, im Anschluss an einen Eckstoß für Frankreich. Erst hatte Nestor Pitana keinen Elfmeter gegeben, aber dann hat er sich die Szene auf Empfehlung seines Helfers noch einmal sehr lange am Monitor angesehen. Danach gab er einen Strafstoß. 

MOSCOW, RUSSIA - JULY 15, 2018: Referee Nestor Pitana using the VAR System in the 2018 FIFA World Cup Final match between France and Croatia at Luzhniki Stadium. Stanislav Krasilnikov/TASS Foto: Stanislav Krasilnikov/TASS/dpa
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Nestor Pitana auf dem Weg zurück auf das Spielfeld.

Und auch in dieser Situation, meint Alex Feuerherdt, hat Nestor Pitana richtig entschieden. Denn es habe hier schon einiges dafür gesprochen, das Handspiel für strafbar zu halten, so Feuerherdt. Perišić habe seinen Arm in die Flugbahn des Balles gehalten, der Arm habe dabei unter Spannung gestanden, und der Ball sei auch schon eine Weile unterwegs gewesen - er habe ihn also kommen sehen. Natürlich könne vielleicht auch so argumentiert werden, dass Matuidi ihn irritiert habe. Aber für Alex spreche hier schon mehr für die Elfmeterentscheidung. Alex hatte nicht den Eindruck, dass Perišić in einer normalen Bewegung gewesen sei und den Ball bloß unglücklich an die Hand bekommen habe. 

Wäre es wirklich ein klarer Fehler gewesen, keinen Elfmeter zu geben? 

Nach Alex Feuerherdt hätte der Videoassistent sich nur dann herausgehalten, wenn Pitana gesagt hätte, dass er das Handspiel genau gesehen habe, und es aus seiner Sicht nicht strafbar gewesen sei. Allerdings habe der Schiedsrichter das Handspiel eben überhaupt nicht gesehen, und genau das ändere die Lage. Pitana habe zuerst auf Abstoß entschieden, weil er gedacht habe, dass ein Franzose zuletzt am Ball gewesen sei. Und wenn er das Handspiel gar nicht gesehen habe, dann müsse ihn der Videoassistent darauf aufmerksam machen, wenn dieser den Eindruck habe, dass ein Elfmeter infrage kommt. Begibt sich der Schiedsrichter dann selbst zum Monitor, treffe er seine Entscheidung noch einmal neu. Hier sei Pitana zu dem Schluss gekommen, dass es sich um ein strafbares Handspiel gehandelt habe. Alex findet diese Entscheidung nachvollziehbar.

Schiedsrichter des Eröffnungsspiels und des Finales

Erst ein einziges Mal während einer Weltmeisterschaft war der Schiedsrichter des Eröffnungsspiels und des Finales der gleiche Mann. Das war 2006, während der WM in Deutschland - und damaliger Schiedsrichter der beiden Spiele war Horacio Elizondo, ebenfalls ein Argentinier. 

Zur Serie "So war der Schiri"

Ein Pfiff - drei Meinungen. Beim Fußball wird über die Entscheidungen der Schiedsrichter immer heftig gestritten. Das war bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 auch so. Während des Turniers in Russland haben wir regelmäßig mit Alex Feuerherdt vom Schiedrichter-Podcast "Collinas Erben" auf die Leistungen der Schiedsrichter geschaut. Alle Teile der Reihe "So war der Schiri" sind hier online. 

Alex Feuerherdt vom Schiedrichter-Podcast "Collinas Erben"
© Alexander Feuerherdt
Alex Feuerherdt hat mit uns die WM geschaut.