Das wird den wenigsten bewusst sein, aber Fingerschnipsen ist schon eine kleine Superkraft. Zumindest ist es die schnellste Drehbewegung beim Menschen und geht viel schneller als Augenblinzeln. Die Erkenntnisse über das Fingerschnipsen könnten für die Weiterentwicklung von Prothesen und Robotik genutzt werden.

Diese Szene werden viele kennen: Zum Ende von "Avengers: Infinity War" vernichtet Marvel-Bösewicht Thanos das halbe Universum mit einem Fingerschnipsen. Doch – zu dieser Erkenntnis sind Forschende jetzt gekommen – Thanos hätte gar nicht schnipsen können, oder zumindest hätte man es nicht gehört. Grund dafür ist, dass er einen Metall-Handschuh trägt.

"Die Forschenden haben das mit Fingerhüten aus Metall ausprobiert und das ging gar nicht gut."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Dafür haben sich die Forschenden angesehen, wie ein Fingerschnipsen zustande kommt: Die meisten von uns Schnipsen, indem sie den Daumen und den Mittelfinger aufeinanderlegen und aneinander vorbeireiben oder -drücken.

Wie ein Schnipsen entsteht

Dabei muss allerdings genug Spannung entstehen und es muss eine Art Klangkörper geben. Das Geräusch entsteht hauptsächlich dabei, wenn der Mittelfinger auf den Handballen prallt. Mit dieser Bewegung wird die Luft plötzlich verdrängt und komprimiert wodurch sie sich durch den Raum bewegt. Das wiederum nehmen wir als Knall wahr, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms.

Creme verhindert Spannung

Deswegen kann man mit eingecremten Händen nicht gut schnipsen. Ist die Reibung zu stark, funktioniert das Schnipsen auch nicht gut, zum Beispiel mit Gummihandschuhen.

Dabei wird zwar viel Energie aufgestaut, aber der Finger löst sich zu langsam und ein Großteil der Energie wird in Wärme umgewandelt und auch dann ist die Schnips-Geschwindigkeit zu gering. Daraus folgt also, dass die Spannung optimal sein muss.

1.300 Umdrehungen pro Minute

Mit Sensoren an Fingern und Handflächen und mit einer High-Speed-Kamera haben die Forschenden die Drehgeschwindigkeit am Mittelfinger gemessen. Dabei kamen sie auf einen Wert von umgerechnet 1.300 Umdrehungen pro Minute.

Das ist die zweitschnellste Drehbewegung überhaupt, die wir vom Menschen kennen. Nur Profi-Werfer beim Baseball sind schneller in der Schulter, wenn sie werfen.

Was die Beschleunigung angeht, ist das Schnipsen ganz vorne. Das ist drei Mal schneller als so ein Werfer. Deshalb dauert so ein Schnipser auch nur sieben Millisekunden, das ist zwanzig Mal weniger als ein Augenblinzeln.

Geschnipst wird schon seit über zwei Jahrtausenden

Eine Vase, die circa aus dem Jahr 320 vor Christus stammt, zeigt den Hirtengott Pan, der die rechte Hand so hält, als ob er mit den Fingern schnipst. Bekannt ist, dass in der Antike die Griechen das Fingerschnipsen genutzt haben, um beim Musizieren den Rhythmus vorzugeben.

Erkenntnisse nutzen, um Roboterhände zu verbessern

Nicht nur für den Rhythmus bietet sich das Fingerschnipsen an. Inzwischen wird es sogar als biometrisches Erkennungsinstrument genutzt.

Forschende gehen davon aus, dass sie ihre Erkenntnisse über diese Handbewegung künftig nutzen können, um Handprothesen oder Roboterhände zu optimieren.

  • Moderator:  Markus Dichmann
  • Gesprächspartner:  Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova