Als Mozilla vor fast 20 Jahren seinen "Firefox" an den Start brachte, bekam der Open-Source-Browser sehr viel Zuspruch – doch diese Zeiten sind vorbei. Die Zahl der Userinnen und User geht immer weiter zurück und die Zukunftsperspektiven sind auch nicht rosig. 2023 läuft nämlich ein wichtiger Vertrag mit Google aus, der Mozilla den Großteil seiner Einnahmen beschert.

2008, sechs Jahre nach dem Launch, surften rund 20 Prozent der Internetnutzer:innen mit dem Open-Source Browser Firefox durchs Web, in manchen Ländern waren es sogar 50 Prozent. Für ein nicht-kommerzielles Projekt mit vielen freiwilligen Programmierern und wenig Kapital war das äußerst beachtlich. Dem kleinen sympathischen Browser mit dem Fuchs war es damals sogar gelungen, dem damaligen Primus Microsoft Internet-Explorer viele Userinnen und User abzujagen.

Nur gut vier Prozent nutzen Firefox

Doch diese Traumzahlen gehen seit Jahren immer weiter in den Keller. Im Februar 2022 lag der Anteil der Firefox-Nutzer:innen weltweit laut Statcounter.com nur noch bei knapp über vier Prozent – bezogen auf alle Geräte, also Handys und Computer.

Dafür gibt es mehrere Ursachen. Eine davon heißt Google Chrome. Der Marktanteil des Marktführers lag im Februar 2022 weltweit bei über 60 Prozent. Der Browser, der zum Imperium des Internetgiganten Alphabet gehört, war von Anfang an noch schlanker und schneller als Mozillas Firefox.

"Chrome war von Anfang an noch schlanker und schneller als Firefox."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Pikanterweise geschah das unter anderem auch mit der Hilfe ehemaliger Firefox-Entwickler:innen. Diese wurden von Chrome anfangs mit offenen Armen aufgenommen – denn auch Chrome war ja zunächst in Teilen Open Source. Gemeinsam machten Firefox und Chrome Anfang der 2000-er Jahre den Microsoft Explorer platt.

Google vs. Mozilla: Ungleicher Kampf

Danach begann Chrome, den Firefox ins Visier zu nehmen. Das war ein etwas ungleicher Kampf: Denn während beim Firefox nach wie vor viele Freiwillige mit viel Herzblut programmierten, hatte Chrome Zugriff auf das nahezu unendlich volle Portemonnaie von Google.

"Auf dem Smartphone-Markt konnte Firefox nie wirklich Fuß fassen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Neben der erdrückenden Konkurrenz gab es bei Firefox aber auch hausgemachte Probleme: Auf dem immer wichtigeren Smartphone-Markt etwa konnte der Browser nie wirklich Fuß fassen. Google und Apple waren dafür von Anfang an technisch besser aufgestellt: Sie hatten eigene Betriebssysteme und eine Engine, die auf Handys besser funktionierte.

Der Firefox kam hingegen vom Schreibtischrechner und tat sich immer schwer mit kleineren Mobilgeräten. Das ist bis heute so: Auf dem Handymarkt hat der Firefox gerade mal einen Marktanteil von knapp 0,5 Prozent.

Wenig Hoffnung für Firefox

Doch auch die treue Festnetzrechner-Kundenbasis bröckelt: Hauseigene Zahlen zeigen, dass Firefox auch dort seit Anfang 2019 zwischen 15 und 20 Prozent seiner User:innen verloren hat – und zwar kontinuierlich.

Dass sich daran noch mal etwas ändert, glauben offenbar selbst die eigenen Entwickler:innen nicht mehr: "Die Verantwortlichen werden akzeptieren müssen, dass Firefox sich nicht wieder aus der Asche erheben wird", sagte einer von ihnen kürzlich gegenüber der Wired. Und ein anderer meinte knallhart: "Chrome hat den Browser-Krieg gewonnen."

2023 läuft Vertrag mit Google aus

Es kommt erschwerend hinzu, dass es sehr unsicher ist, wie sich der Firefox in Zukunft weiter finanzieren soll: Ende 2023 läuft nämlich ein sehr wichtiger Vertrag aus, der dem Firefox bis zu 90 Prozent seiner Umsätze einbringt. Laut Medienberichten erhält das gemeinnützige Mozilla-Projekt zwischen 400 und 450 Millionen Dollar pro Jahr dafür, die Google-Suche bei Firefox als Standard-Suchmaschine anzubieten. Der Firefox wird also dafür bezahlt, seinen größten Konkurrenten zu unterstützen.

"Die Google-Suche ist beim Firefox Standard: Das Projekt bekommt sehr viel Geld dafür, seinen größten Konkurrenten zu featuren."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Bei Mozilla ist man sich dessen bewusst und hat sich immer wieder um alternative Finanzierungen bemüht – bisher allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

Dass Google Ende 2023 bereit sein wird, einem Konkurrenten mit nur noch 4,5 Prozent Marktanteil auf Dauer weiterhin so viel Geld zu bezahlen, ist unwahrscheinlich. Wobei Google vielleicht aus kartellrechtlicher Hinsicht ein gewisses Interesse daran hat, dass Firefox als eigenständige Alternative bestehen bleibt, schreibt der Standard.

Abhängigkeit von Google

Beobachterinnen und Beobachter glauben, dass der Firefox langfristig noch abhängiger von Google werden wird, als er das heute schon ist. Künftig könnte er sogar auf Googles Chromium-Engine zurückgreifen müssen, um eigene Entwicklungskosten einzusparen.

Es ist also fast so ein bisschen wie ein Sterben auf Raten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte. Sie findet das schade, denn der FF stand und steht immer noch für Datenschutz und ein unabhängiges Netz. Auch dafür gibt es aber mittlerweile Alternativen: Wem seine Privatsphäre beim Surfen im Internet wichtig ist, der kann heute auch die neuen datenschutzfreundlichen Alternativ-Browser "Iridium" oder "Brave" nutzen.