Nicht, dass Fische faul wären. Aber am Baldeneysee brauchen sie einen Lift, um ein meterhohes Wehr zu überwinden. Der Fischlift an der Ruhr kostet 6,8 Millionen Euro. Teuer, aber sinnvoll.

Heute (17. August) wird das Fischliftsystem am Baldeneysee offiziell in Betrieb genommen. Der Lift ist notwendig, damit Fische das Stauwehr des Baldeneysees in Essen überwinden können.

Der Aufzug besteht aus zwei senkrecht aufgestellten Röhren, die mit Wasser gefüllt beziehungsweise entleert werden. In den Röhren sind wassergefüllte Körbe, die dann nach oben steigen beziehungsweise nach unten absinken. So werden per Hydraulik die Körbe neun Meter nach oben und nach unten bewegt. "Das dauert so zwei bis drei Minuten", sagt Markus Rödel, Sprecher des Ruhrverbands.

Blick auf den Fischlift im Bau; ein Teilstück der Röhre für den Fischlift wird für den Zusammenbau mit einem Kran herangeschafft (21.08.2019)
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Hier war der Fischlift 2019 noch mitten im Bau. Die beiden Röhren, quasi die Aufzugschächte, sind erkennbar.

Mitfahren können alle Fische, so Markus Rödel. Dafür werden sie in den Lift gelockt. "Fische haben ein Sinnesorgan mehr als der Mensch: Sie haben sogenannte Seitenlinienorgane." Damit können Fische die Strömung fühlen und sie schwimmen immer gegen die Strömung. Damit die Fische den Lift und den Eingang zum Lift finden, wird eine Gegenströmung erzeugt, so Markus Rödel.

Bis zu 800 kleine Fische passen in den Lift

Sobald die Fische oben angekommen sind, öffnet sich der Korb und sie schwimmen in den Baldeneysee hinein. Die Körbe haben einen Durchmesser von 2,80 Meter und sind auch 2,80 Meter hoch. Bis zu 800 kleine Fische passen hinein. Zurzeit fährt der Lift alle 20 Minuten hoch und runter. Bald soll er aber nach Bedarf fahren: Er soll dann starten, sobald er voll ist. (Falls ihr noch mehr über den Lift wissen wollt, findet ihr hier Infos vom Ruhrverband.)

Der Lift macht das Gewässer wieder durchlässig für die Fische

Nötig ist der Lift zum einen, weil Fische zum Laichen flussaufwärts ziehen. Doch das Wehr verhindert das bislang. Außerdem brauchen Fische im Verlauf des Jahres unterschiedliche Habitate, also Lebensräume. "Im Winter brauchen sie Ruheplätze, im Sommer brauchen sie Laichplätze", sagt Markus Rödel. Bewegung sei auch wichtig für den genetischen Austausch innerhalb der Arten.

"Wenn ich eine Fischart erhalten will, brauche ich einen regen genetischen Austausch."
Markus Rödel, Ruhrverband

Außerdem hat sich die Europäische Union eine europäische Wasserrahmenrichtlinie gegeben. Diese schreibt vor, dass bis Ende 2027 Fließgewässer für Fische und andere Flusslebewesen wieder durchgängig sein sollten. "Dazu gehören auch entsprechende Aufstiegshilfen für Fische", sagt Markus Rödel.

Der Lift hat im Test gut funktioniert, so Markus Rödel. Es wurden schon kleinere Fischschwärme im Aufzug beobachtet. "Aber auch ein kapitaler Wels."