Wenn wir Muskeln aufbauen wollen, dann müssen wir trainieren bis es wehtut!? ...wir schaffen fünf Mythen rund um das Thema Muskelaufbau aus dem Weg.

Fettzellen, die auf magische Art und Weise zu Muskeln werden oder Trainerinnen, die uns sagen, dass es wehtun muss – (selbst ernannte) Fitnessexperten sorgen im Internet und in Sportstudios dafür, dass sich jede Menge Halbwahrheiten rund um den Muskelaufbau tief in unseren Hirnwindungen festsetzen. Wir haben mit Sportwissenschaftler Stephan Geisler über gefährliches Halbwissen gesprochen:

Halbwissen 1: Wenn wir viel trainieren, wandelt sich Fett in Muskeln um

Immer wieder ist zu hören: Wenn wir nur genug trainieren, dann können wir unsere Speckröllchen ganz einfach in Muskeln umwandeln. Doch biologisch sei das schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit, wie "der Fitnessprofessor" Stephan Geisler erklärt. Denn: Es handelt sich um zwei völlig voneinander getrennt ablaufende Prozesse. Einmal bauen sich Muskelzellen auf, und andererseits werden Fettzellen kleiner.

Halbwissen 2: Wir können schlechte Ernährung durch Training ausgleichen

Für all diejenigen, die Burger, Pizza und Schoki lieben, haben wir schlechte Nachrichten. Denn: Wenn wir Muskeln aufbauen wollen, dann müssen wir auch auf unsere Ernährung achten, oder wie Stephan Geisler erklärt:

"Abs are made in the kitchen! Das heißt: Ich kann so viele Sit-ups machen, wie ich will, wenn Fett darüber ist, sieht man die Bauchmuskeln nicht."
Stephan Geisler, Sportwissenschaftler

Halbwissen 3: Die gute alte Diät kann das richten!

Wenn wir schon auf unser Lieblingsessen verzichten müssen, dann machen wir einfach eine Diät – so klappt es auch mit den Muskeln.

"Das Schlimmste, was man tun kann, ist eine extreme Diät"
Stephan Geisler, Sportwissenschaftler

Wenn wir Muskeln aufbauen, aber schlank bleiben wollen, dann rät der Experte zu einem täglichen Energiedefizit von höchstens 200 bis 300 Kalorien unterhalb unseres normalen Umsatzes. Neueste Studien würden zeigen, dass dann Gewichtsabnahme und Muskelaufbau wahrscheinlich gleichzeitig möglich seien.

Halbwissen 4: Wenn die Trainerin eine Lizenz hat, sind wir gut aufgehoben

Im Sportstudio arbeiten nur Profis – auch vor diesem Mythos warnt der Sportwissenschaftler. Denn Fitnesstrainer sei ein Begriff, der in Deutschland nicht geschützt sei. Selbst die Lizenzen seien nicht einheitlich geregelt, weshalb diese auch nichts über die Tauglichkeit unserer Fitnesstrainer aussagen würde. Wenn wir uns Trainer suchen, dann sollten wir sie fragen, welche Qualifikationen sie hätten. Eine Ausbildung oder ein Studium seien Hinweise auf eine Person, die weiß, was sie tut.

Halbwissen 5: Nur Schmerzen führen zum Muskelaufbau

Auf einmal verspüren wir dieses intensive Stechen im Rücken, doch die Trainerin sagt, dass wir weitertrainieren müssen. Wenn das der Fall ist, dann sollten wir auf jeden Fall aufhören zu trainieren und am besten gleich noch die Trainerin austauschen. Wie der "Fitnessprofessor" erklärt, müssten wir unterscheiden, um welche Art des Schmerzes es sich während des Trainings handelt. Ein stechender Schmerz im Rücken sollte zum Abbruch des Trainings führen, bei einem pochenden Oberschenkel sollten wir durchhalten. Der Grund: Wenn wir unsere Muskeln beanspruchen, dann würde sich dies auch wie eine Art Schmerz anfühlen. Der Sportwissenschaftler sagt: "Man muss das Training spüren, aber nicht bis zum Letzten gehen."

Krafttrainings-Mythen, die Stephan Geisler ebenfalls hinterfragt:

  • Wenn wir massenhaft Eier und rohes Fleisch in uns hineinstopfen, bringt das unserem Körper nichts. Die Protein-Lieferanten sollten wir, wie alles im Leben, in Maßen, statt in Massen zu uns nehmen.
  • Muskelkater ist kein Beweis für richtiges Training. Denn: Wenn wir eine Übung schon häufiger gemacht haben, sind wir trainierter und haben hinterher wahrscheinlich seltener Muskelkater.