In Syrien herrscht seit neun Jahren Bürgerkrieg. Im Nordwesten des Landes leben Hunderttausende Menschen in Lagern; ihre Versorgung ist ohnehin miserabel. Syrien hat einen ersten Corona-Fall bestätigt. Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus wäre vor allem für die Flüchtlinge in den Lagern verheerend, so ARD-Korrespondent Björn Blaschke.

Von Syriens Gesundheitsministerium wurde ein erster Corona-Fall offiziell bestätigt. In Damaskus soll eine Person positiv getestet worden sein, die zuvor nach Syrien eingereist war. In Syrien wird also getestet, doch wie umfangreich diese Tests sind, ist unklar. Vor allem aber wird nicht in allen Gebieten des Landes getestet, so ARD-Korrespondent Björn Blaschke.

In den Lagern wird bislang nicht getestet

"Das Problem sind offensichtlich vor allem die Gebiete im Nordwesten des Landes", sagt Björn Blaschke. Diese sind nicht unter Kontrolle des Regimes unter Baschar al-Assad. Dazu gehört zum Beispiel die Provinz Idlib, die zum Großteil von Aufständischen kontrolliert wird. Dort leben rund drei Millionen Menschen. Die Hälfte von ihnen sind Flüchtlinge. Es sind Syrerinnen und Syrer, die im eigenen Land auf der Flucht sind. In den Lagern wird bislang nicht auf Corona-Infektionen getestet, so Björn Blaschke.

"1,5 Millionen Menschen leben in Lagern, auf engstem Raum. Dort kann bislang nicht auf Corona getestet werden."
Björn Blaschke, ARD-Korrespondent in Kairo

Ohnehin ist die gesundheitliche Versorgung in den Lagern schlecht. Neun Jahre Krieg bedeuten eben auch, dass die Infrastruktur seit neun Jahren heftig gelitten hat, so Björn Blaschke.

"Der Ausbruch des Coronavirus wäre jetzt noch eins oben drauf auf die ohnehin sehr schlechte Versorgungssituation."
Björn Blaschke, ARD-Korrespondent in Kairo

Syriens Regierung in Damaskus wiederum versucht zu zeigen, dass sie alles im Griff hat. Im syrischen Staatsfernsehen werden Bilder gezeigt, wie Flugzeuge am Flughafen in Damaskus desinfiziert werden. Ebenso das Flughafengebäude. Ankommenden wird die Körpertemperatur gemessen. Wärmebildkameras werden vorgeführt. "Es wird gezeigt, dass was getan wird", sagt Björn Blaschke. Doch die offizielle Informationspolitik der Regierung müsse man mit Skepsis bewerten.

"Die Informationspolitik der syrischen Führung ist nicht besonders offen."
Björn Blaschke, ARD-Korrespondent in Kairo

Hilfe aus dem Ausland, zum Beispiel aus Russland, kommt allein in den Gebieten an, die unter der Führung des Regimes in Damaskus sind. Die Vereinten Nationen zum Beispiel haben Probleme mit dem Zugang zur Provinz Idlib. Denn Einreisen in die Provinz müssen von der Regierung in Damaskus genehmigt werden. Und Präsident Baschar al-Assad hat kein großes Interesse daran, dass die Versorgung des Nordwestens besonders gut ist. "Denn al-Assad kämpft gegen diesen Teil der Bevölkerung", sagt Björn Blaschke.