Früher haben wir gedacht: Die Gastarbeiter arbeiten hier und kehren nach ein paar Jahren in ihre Heimatländer zurück. Heute ist klar: Die Flüchtlinge werden bleiben. Wir und sie sollten sich darauf einstellen.

Als in den 1960er Jahren Gastarbeiter nach Deutschland kamen, war Integration gar nicht erst vorgesehen. Deutschland galt als Nichteinwanderungsland. Die Menschen sollten kommen, um zu arbeiten - und dann wieder in ihre Heimatländer zurückkehren.

Die aktuelle Situation sei eine ganz andere, sagt Migrationsforscher Olaf Kleist vom Refugees Studies Center der Oxford Universität. Vor allem Flüchtlinge aus Krisengebieten werden so schnell nicht in ihre Heimat zurück können. Ob sie wollen oder nicht, sie werden bleiben müssen. Deshalb sei es wichtig, ihnen zu ermöglichen, am Leben teilzunehmen und Teil der Gesellschaft zu werden.

"Integration ist keine Einbahnstraße. Integration heißt nicht nur Anpassung von Flüchtlingen, sondern auch, dass sich die deutsche Gesellschaft darauf einstellen muss."

Die vielen Helfer, die sich gerade vor allem auch um die Integration der Flüchtlinge kümmern, sind ein gutes Zeichen, sagt Olaf Kleist. Und sie ebnen den Weg für einen langfristigen Wandel der Gesellschaft hin zu einer Integrations- oder Willkommensgesellschaft. Das private Engagement dürfe dabei aber nicht die staatlichen Grundaufgaben ersetzen.

Für Flüchtlinge muss es auch möglich sein, ohne fremde Hilfe zu einem Amt gehen zu können. Wenn es so akut ist wie jetzt, könne man zwar auf ehrenamtliche Hilfe nicht verzichten. Aber eine Dauerlösung sei das nicht.