Der Bilderflut kann sich gerade kaum jemand entziehen. Überall wird geholfen, gepostet, aufgerufen. Ein tolles Gefühl. Wir lächeln, wir winken, wir spenden, wir helfen. Aber es regt sich auch Kritik. Ist helfen grade einfach nur hip? Sind wir dabei zu sehr Selbstdarsteller?

Jahrelang hat man sich hier in Deutschland angesehen, wie die Katastrophe langsam fahrt aufnimmt. Wie die Situation in Syrien immer schlimmer wurde. Wie die NSU und andere Rechte Organisationen Terror verbreitet haben. Und plötzlich sind die Deutschen also total offen gegenüber Menschen aus anderen Ländern? Der Kabarettist Serdar Somuncu ist skeptisch, wie ernst wir das wirklich meinen.

"Was kotzt mich mittlerweile dieser Common Sense von Willkommenskultur an. Hauptsache, alles in einen Topf werfen und schön verallgemeinern. Refugees welcome! [...] Letztes Jahr war’s noch die Icebucketchallenge, jetzt sind es die Flüchtlinge."

Ist unsere ganze Hilfsbereitschaft am Ende also nur Selbstbeweihräucherung? Damit wir uns mal wieder so richtig gut fühlen können? Uns gegenseitig in den sozialen Netzwerken auf die Schulter klopfen können, um zu sagen: Haben wir doch gut hinbekommen oder? Dem Autor und Poetry Slammer Misha Anouk ist das herzlich egal, schreibt er in seiner Antwort an Serdar Somuncu auf Facebook:

Klar ist es möglich, dass IS-Terroristen mit den Flüchtlingsströmen nach Deutschland reinkommen. Ich meine, wer würde...

Posted by Misha Anouk on Donnerstag, 10. September 2015

Der fade Beigeschmack der Hilfe

Für die Bloggerin Betül Ulusoy ist die Selbstdarstellung gar nicht das vordergründige Problem. Sie stellt sich viel mehr die Frage: Vergessen wir über das Helfen und unser gutes Gefühl dabei, wie schwierig es ist, Hilfe anzunehmen? In ihrem Artikel schreibt sie von dem Tag, an dem sie Kleidung für Flüchtlinge kauft. Sie will im Laden um einen Rabatt bitten und bemerkt: es ist ihr peinlich. Sie schämt sich. Obwohl es ja für einen guten Zweck ist.

"Plötzlich bin ich zur Bittstellerin geworden. Ich bekomme den Rabatt. Aber was noch viel wichtiger ist: Ich bekomme einen Denkzettel. Flüchtlinge haben in den meisten Fällen nicht das Privileg, allein zu sein, wenn sie ihre Spende bekommen."