Wie viel Fleisch werden wir in Zukunft noch essen? Der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder blickt auf unseren Fleischkonsum: Warum er für die Entwicklung der Menschen wichtig war – und wie er sich weiterentwickeln könnte.

Acht Milliarden Menschen leben aktuell auf unserem Planeten. Zwischen 2050 und 2060 werden es nach UNO-Schätzungen fast zehn Milliarden Menschen sein. Angesichts des Bevölkerungswachstums und des Klimawandels steht auch die klimaschädliche Tierhaltung und der Fleischkonsum auf der nördlichen Erdkugel in Frage.

"Laut FAO stammen 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen aus der weltweiten Tierproduktion. Besonders problematisch ist das Rind. Das Verdauungsgas Methan ist 25 Mal klimaschädlicher als CO2."
Gunther Hirschfelder, Kulturwissenschaftler, Universität Regensburg

Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder beschreibt in seinem Vortrag die Tierhaltung und den Fleischkonsum als Wegbereiter der menschlichen Erfolgsgeschichte. Vor ungefär 10.000 Jahren haben die Menschen gelernt, Tiere zu domestizieren – zu einem "wechselseitigen Nutzen", wie er sagt: Die gesicherte Proteinaufnahme habe unseren Vorfahren große Entwicklungsschritte ermöglicht und Nutztieren ein sicheres Umfeld geboten.

Essgewohnheiten "tief eingraviert"

Das Essen von Fleisch sei aber mehr als nur ein Enwicklungsantrieb. Essgewohnheiten seien in uns Menschen "tief eingraviert". Sie enthielten immer auch eine Portion Ideologie.

Der Kulturwissenschaftler lotet aus, welche Risiken und Folgekosten der Fleischkonsum in Industrienationen wie unserer hat.

"Klingt furchtbar, aber: Tierhaltung und Fleisch sind der Motor der Zivilisationsentwicklung."
Gunther Hirschfelder, Kulturwissenschaftler, Universität Regensburg

Hirschfelder fragt auch nach der Zukunft des Fleischkonsums. Auf unseren Tellern und bei unserem Umgang mit Fleisch und Lebensmitteln sei ein Umbruch im Gange sagt er. Neue Methoden könnten Fleisch als Lebensmittel ersetzen.

"Sind In-Vitro-Fleisch oder Beyond Meat schon die Vorboten einer Post-Fleisch-Ära? Stirbt Fleisch aus?"
Gunther Hirschfelder, Kulturwissenschaftler, Universität Regensburg

Gunther Hirschfelder lehrt Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg. Er hat dort am Forschungsprojekt "Fleisch als Kulturgut" (PDF) mitgearbeitet. Seinen Vortrag über "Tier und Fleisch im 21. Jahrhundert" hat er auf Einladung der Universität Leipzig gehalten, am 9. Januar 2024, im Rahmen von "Studium Universale".

Fleisch als Kulturgut
vom 02. Februar 2024
Was künftig auf unsere Teller kommt
Moderation: 
Katja Weber
Vortragender: 
Gunther Hirschfelder, Kulturwissenschaftler, Universität Regensburg