Ein Forschungsteam aus Boston hat es geschafft, Fleisch im Labor zu züchten. Die Rippen von Spinatblättern geben den Zellen ein Gerüst.

Die Fleischproduktion ist in vielerlei Hinsicht problematisch, zum Beispiel aus Tierwohl-Gesichtspunkten, aber auch für das Klima ist Massentierhaltung schlecht. Die Fleischerzeugung braucht nämlich ziemlich viel Platz und Energie. Denn neben Ställen oder Weiden wird viel Fläche genutzt, um Tierfutter anzubauen.

Bei einer wachsenden Weltbevölkerung ist jedoch der Platz für Ackerflächen begrenzt. Deswegen forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit schon länger an Fleisch-Alternativen. Die Varianten reichen von Insekten-Farmen über Pilze bis hin zu Soja-Würstchen, Lupinen-Schnitzel oder Seitan.

Kunstfleisch aus dem Labor

Ein Team aus Boston hat noch eine andere Idee: Anstatt auf Fleisch zu verzichten, könnte es künstlich im Labor entstehen. Bis wir das wirklich im Supermarkt kaufen können, wird es aber wohl noch etwas dauern, denn das, was Glenn Gaudette und seinem Team am Boston College jetzt mit Spinatblättern gelungen ist, das fällt noch unter Grundlagenforschung.

Herzgewebe und Fleisch mit Spinatstruktur

Glenn Gaudette, der Hauptautor der Studie forscht schon länger an Spinatblättern: Vor vier Jahren hat er zum Beispiel zusammen mit einem Team menschliches Herzgewebe auf einem Spinatblatt-Gerüst gezüchtet. Die Idee war damals entstanden, weil Spinatblätter ein natürliches Transportsystem haben, das sich künstlich nur schwer nachbauen lässt.

Jede und jeder, der ein Spinatblatt anschaut, kann die feinen, aber deutlichen Adern sehen, die es durchziehen. Mithilfe dieser Adern transportiert die Pflanze Wasser und andere Stoffe. Die Idee der Forschenden war, dieses System einfach für andere Zwecke zu nutzen: nämlich für Muskelzellen, aus denen dann Fleisch entstehen soll.

"Ein Spinat-Gerüst kann man ohne Probleme mitessen – deswegen sind Spinatblätter eine interessante Möglichkeit, um Fleisch darauf zu züchten."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dafür haben die Forschenden zunächst eine Packung Babyspinat im Supermarkt gekauft und dann alle Pflanzenzellen aus den Spinatblättern entfernt, so dass nur noch dieses fein verästelte Gefäßsystem übrig war. Anschließend haben sie Rinderzellen von drei verschiedenen Kühen in einem sehr frühen Entwicklungsstadium genommen und sie auf den Spinatblättern angesetzt.

Nach 14 Tagen haben die Zellen angefangen, sich in Muskelzellen weiterzuentwickeln. Die Forschenden sagen selber, dass sie das noch in einem größeren Maßstab wiederholen müssen. Ob sich aus so einem Spinatblatt-Gerüst auch ein richtiges dickes Steak züchten lässt, ist noch unklar.

"Alle kennen Spinat und deswegen wird es wahrscheinlich leichter sein, Fleisch aus dem Labor zu vermarkten, das auf Spinat gezüchtet wurde."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Möglicherweise funktionieren auch andere Blätter oder Strukturen, um Fleisch daran zu züchten. Wichtig ist jedoch, dass die Muskelzellen einen Untergrund haben, an dem sie ankern können. Plastik wäre für so ein Gerüst nicht gut geeignet, weil man es nicht essen kann und vor dem Verzehr entfernen müsste. Die Spinatstruktur hingegen kann mitgegessen werden. Und ein weiterer Vorteil ist, dass Spinat günstig ist und sich das Gerüst ohne großen Aufwand freilegen lässt.

Ganz ohne Tiere zu töten funktioniert diese Art der Fleischproduktion bisher allerdings nicht, denn die Rinderzellen wurden den Tieren nach dem Schlachten entnommen, aus einem innenliegenden Muskel.