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Biokraftstoffe sollen das Fliegen weniger umweltschädlich machen. Theoretisch geht das, praktisch ist es zu teuer, und erlaubt sind sowieso nur 50 Prozent Biotreibstoff.

Air France ist erstmals mit teilweise nachhaltigem Treibstoff aus Speiseöl zu einem Langstreckenflug aufgebrochen. Die Maschine flog von Paris ins kanadische Montreal, teilte das Unternehmen mit.

Auch dieser Testflug soll zeigen, dass umweltverträglicherer Luftverkehr möglich ist. Dafür kooperieren Air France-KLM, das Mineralölunternehmen Total, der Flugzeugbauer Airbus und der Flughafenbetreiber ADP. Grundsätzlich sollen Biotreibstoffe die CO2-Emissionen und allgemeiner die Klimaschädlichkeit des Fliegens verringern.

"In Sachen CO2-Emissionen hat man, je nach Art des Biokerosins, 50 bis 90 Prozent Einsparung verglichen mit fossilem Kerosin."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Sogenannter Sustainable Aviation Fuel wird derzeit zum Beispiel aus alten Pflanzen- und Speiseölen hergestellt. Bei dem Testflug waren Kerosin und 16 Prozent Biokraftstoff im Tank.

Limit für Biokerosin

Bisher lasse die internationale Standardisierungsorganisation ASTM nur maximal 50 Prozent Biokerosin in Flugzeugen zu. Grundsätzlich seien 100 Prozent möglich, die Fluggesellschaften riskierten dann aber ihren Versicherungsschutz, sagt Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der Technischen Universität Hamburg.

"Man könnte mit 100 Prozent von diesem Pflanzenöl-basierten Kraftstoff fliegen, weil er zu 100 Prozent die Kraftstoffspezifikation erfüllt."
Martin Kaltschmitt, Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft, Technische Universität Hamburg

Auch wenn die CO2-Emssionen durch Beimischung von Biokraftstoff verringert werden können, bleibt das Fliegen eine ziemlich umweltschädliche Transport- und Fortbewegungsmöglichkeit – durch die Emissionen in großer Höhe und die Kondensstreifen beispielsweise.

Ein weiteres Problem auf dem Weg zu etwas mehr Umweltverträglichkeit sind die hohen Kosten des Biotreibstoffs. Im Gegensatz zum europaweit satt subventionierten Kerosin auf Mineralölbasis, sind Biokraftstoffe ein Nischenprodukt und entsprechend kostspielig.

"Sustainable Aviation Fuel ist bisher viel teurer als herkömmliches Kerosin, weil es eine Art Nischenprodukt ist und nicht in Masse hergestellt wird."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der Preisnachteil für Biokraftstoffe lasse sich ausräumen, findet Martin Kaltschmitt. Für die Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany e.V. hat er gemeinsam mit Forschenden des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der Technischen Universität Hamburg ein Paper zum Thema erarbeitet.

Er sieht eine Vielzahl von weniger umweltschädlichen Treibstoffoptionen für den Flugverkehr, Spielraum für einen Anteil von Biokraftstoffen beim Flugverkehr in absehbarer Zeit allerdings nur unter zehn Prozent.

"Man könnte in den nächsten Jahren einen Beitrag sicher im einstelligen Prozentbereich leisten. Aus meiner Sicht ist das nur der Einstieg in ein zunehmend grünes Fliegen."
Martin Kaltschmitt, Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft, Technische Universität Hamburg