Jemanden auf der Tanzfläche kennenlernen oder an der Theke anflirten, das geht seit März 2020 fast nicht mehr. Stattdessen gibt es zwei Optionen: Niemanden kennenlernen oder online daten. Unsere Reporterin Lena Sterz hat sich angeschaut, inwiefern Corona das Dating verändert hat.

Ende März 2020 meldete Tinder einen Swipe-Rekord: Offenbar war es in den ersten zwei Lockdown-Wochen sehr beliebt, auf der Couch zu bleiben und nach links und rechts zu wischen. Seitdem haben sich die Datenden in zwei etwa gleich große Lager geteilt: Die, die mehr daten und die, die weniger daten.

Außerdem gibt es noch eine dritte Gruppe: Die, die gar nicht mehr daten wollen, solange das Coronavirus unseren Alltag bestimmt.

Perfekt fürs erste Date: Spazierengehen

Die 28-jährige Greta ist eine von denen, die besonders im ersten Lockdown mehr online gedatet haben als sonst. Sie lebt in Münster und hat Spaziergeh-Dates für sich entdeckt: "Ich frage mich, warum man da nicht vorher schon mal drauf gekommen ist, weil so ein Spaziergeh-Date hat viele Vorteile: Man muss sich nicht permanent angucken, man sitzt nicht so stocksteif in irgendeinem Café."

"Dieses nebeneinander her Laufen mag ich, man ist mit den Gedanken irgendwie freier, das ist echt eine schöne Sache."
Greta, 28 Jahre alt, über Dates

Greta sagt sogar: Diese Spaziergeh-Dates wird sie auch weiter als erstes Date vorschlagen, wenn das Coronavirus unser Leben nicht mehr so bestimmt.

Dates per Videoschalte

Der zweite Corona-Date-Modus ist das Video-Date, auch das hat Greta ausprobiert. Sie fand es überraschend intim.

"Auf der einen Seite, weil man sich die ganze Zeit in die Augen gucken muss, auch wenn es digital ist. Und dass man direkt so das Privateste von sich zeigt, weil man sich ja in den eigenen vier Wänden befindet."
Greta, 28 Jahre alt über Dates

Beim Video-Date hat Greta dann auch gleich eine Führung durch ihre kleine Wohnung gemacht und ein paar Geschichten zu Dingen erzählt, die sie in den eigenen vier Wänden besonders mag.

Paar-Therapeut Erik Hegmann, der auch Singles bei der Partnersuche begleitet, meint, dass es noch eine Sache gibt, die dazu führt, dass manches erste Date im Moment persönlicher ist als es das "früher" war: "Ich habe beobachtet, dass die Gespräche insgesamt, egal ob on- oder offline, tiefgründiger geworden sind, während Corona."

Als Grund vermutet er, dass wir festgestellt haben, dass Small Talk nicht gegen Einsamkeit hilft. "Dieses Abtasten nach ähnlichem Musikgeschmack oder so ist nicht mehr so wichtig. Stattdessen erzählen im Moment mehr Menschen schneller, was sie für Ängste und Sorgen haben."

Greta freut sich trotzdem, wenn sie bald wieder offline Leute kennenlernen kann: "Dass ich nicht mit meinen Mädels an der Theke stehen kann und da oder auf der Tanzfläche, im Urlaub oder bei irgendeiner Kulturveranstaltung jemanden kennenlernen kann, das ist für mich das Schlimmste an Corona."