Es ist der klassische Gesprächsöffner: "Wie geht's?" Jetzt einfach schnell mit "gut" antworten oder wirklich erzählen, dass uns gerade der Partner verlassen hat und wir nicht wissen, wie wir die Miete zahlen sollen? Unser Autor sucht Antworten auf eine einfache Frage.  

Es ist eine Frage, die das Potenzial hat, Gespräche zu ruinieren, bevor sie richtig angefangen haben. Wir treffen eine alte Bekannte auf der Straße und nach dem Hallo ist sie oft schon da: die Floskel und Frage nach dem "Wie geht’s?" Und in Sekundenbruchteilen müssen wir uns entscheiden: Sagen wir die Wahrheit und will da jemand wirklich wissen, wie es uns geht? Oder bedanken wir uns und sagen einfach nur "gut." Und wieso eigentlich, wissen wir immer noch nicht, ob diese Frage ernst gemeint ist, oder nicht. 

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Benjamin Weber hat sich auf der Straße umgehört und mit Experten gesprochen. Danach ist die Floskel ein Gesprächsopener und die Antwort hängt vom Beziehungsstatus der Gesprächsteilnehmer ab. 

Benjamin geht los, fragt Passantinnen und Passanten auf der Straße und erfährt, dass es allen Befragten gut geht. Die Antworten lauten in etwa: "Äh, ja – super!" - "Mir geht’s ganz gut."  - "Mir geht’s gut!" - "Sehr gut, an diesem sonnigen Tag."

Es kann nicht allen gut gehen

Reporter Benjamin ist kein Glücksforscher und das muss er auch nicht sein, um zu wissen, dass es statistisch gesehen nicht allen Befragten wirklich gut gehen kann. Sprachwissenschaftlich gibt es zwar keine Beweise dafür, aber vom Gefühl her ist das deutsche "Hallo, wie geht’s?" mittlerweile genauso eine Floskel geworden wie das englische "Hi, how are you?". Und auf die englische Fassung erwartet ja nun wirklich niemand mehr eine inhaltliche Antwort. Oder doch? 

Stellen wir selbst die Frage und bekommen eine detaillierte Auskunft über den Gemütszustand, sind wir oft irritiert. Denn eigentlich wollten wir ja nur nett sein. Oder höflich. 

Laut Benjamin Langer, Sprachpsychologe an der Universität Würzburg, ist die Frage "Wie geht’s?" ein sprachliches Ritual. Es gehe dabei um die Herstellung von Kommunikation und nicht um die Erwartung einer ehrlichen Antwort.

"Wir nennen das phatisches Kommunikationsmittel. Also das Herstellen von Kommunikation."
Benjamin Langer, Universität Würzburg

Der Beziehungsstatus bestimmt die Antwort nach dem "Wie geht's?"

Ausschlaggebend dafür, wie ausführlich unsere Antwort ausfällt, sei aber auch die Art und Intensität der Beziehung, die wir zu dem Befragten haben. Bei oberflächlichen Beziehungen gelte ein einfaches "gut" als ausreichend, denn abweichende Antworten mit eventuell negativen Details sorgten für ein unangenehmes Gefühl beim Gegenüber. Warum? Weil die Beziehung eben nicht gut genug sei, um über unser schlechtes Befinden zu sprechen, so Langer. Mit der Antwort auf die Frage bewerten wir also gleichzeitig auch immer das zwischenmenschliche Verhältnis.

Susanne Günthner, Linguistikprofessorin an der Uni Münster, erforscht die deutsche Gegenwartssprache und den Gebrauch in mündlichen Kontexten. Sie sagt: Die Frage "Wie geht's?" habe durchaus noch eine Funktion und sei zeitgemäß. 

"Das heißt, da steckt schon noch so eine Restsemantik drin."
​Susanne Günthner, Linguistikprofessorin an der Universität Münster

Denn wir würden diese Frage beispielsweise keinem Beamten bei einem Behördengang stellen, bei dem wir nur unseren Pass abholen wollten. Das sei einfach nicht angemessen. In der Frage stecke also schon noch eine Restsemantik. 

Reporter Benjamin wird sich künftig auf sein Bauchgefühl verlassen, wenn er gefragt wird: "Wie geht's?" Und ansonsten plädiert er für einen ehrlichen Zugang. Wer keine Zeit oder kein Interesse hat, beantwortet die Frage am besten ebenfalls mit einer Floskel.