Vor zwei Jahren ist Mohamad Al Kaddah aus seiner Heimat Damaskus geflohen. Alleine. Als er in Deutschland ankommt, ist er 17 Jahre alt. Er hat Deutsch gelernt und einen Abschluss gemacht. Er vermisst seine Heimat. Das Syrien ohne Krieg und Blut.

Wäre der Krieg nicht ausgebrochen, Mohamad Al Kaddah hätte Syrien nicht verlassen. Nicht so schnell jedenfalls. Er hätte die Schule beendet, Maschinenbau studiert und dann wäre er vielleicht nach Deutschland gekommen. Als Fachkraft, nicht als Flüchtling. Denn seit er klein ist träumt Mohamad davon, einmal als Ingenieur bei der Lufthansa zu arbeiten. Deutschland, das war für ihn immer das Land der Ingenieure und Techniker.

Heute ist Deutschland seine Heimat. Aber eben nicht, weil er sich das hätte aussuchen können. Aber er hat die Chancen genutzt, die sich ihm geboten haben. Er hat selbst die Initiative ergriffen, hat Deutsch gelernt, und nach etwas mehr als einem Jahr seine Mittlere Reife bestanden. Weil er etwas tun wollte.

Und weil er das Glück hatte, als minderjähriger Flüchtling im Dortmunder Bonifatius-Heim unterzukommen. Im Gegensatz zu den anderen Flüchtlingen, mit denen er im Berufskolleg in Dortmund zur Schule gegangen ist, konnte er so Deutsch lernen. Denn Deutsch-Kurse werden nicht von der Stadt bezahlt.

"Nach ein paar Wochen habe ich gedacht: So geht es nicht weiter. In einer Klasse, in der keiner ein Wort Deutsch konnte. Ich war in Syrien in der 11. Klasse."
Mohamad Al Kaddah über seinen Start am Berufskolleg

"Ich war wirklich fertig"

Er geht zur Schulleitung und die schicken ihn in einen Test. Mathe, Deutsch, Englisch, Physik und Biologie - das ganze Programm an einem einzigen Tag. Nach nur fünf Monaten in Deutschland besteht Mohamad Al Kaddah diesen Test mit 1,6 - und darf die Mittlere Reife machen.

"Als ich da raus gekommen bin, hab ich wirklich geweint, weil ich war wirklich fertig. Ich hab viel geschrieben, viel geantwortet. Sachen, die ich wirklich nicht kenne - auf deutsch."
Mohamad Al Kaddah muss sich in Deutschland erst beweisen

Heute macht Mohamad Al Kaddah eine Ausbildung bei den Dortmunder Energie- und Wasserwerken. Danach will er sein Fachabitur nachholen und endlich sein Maschinenbau-Studium anfangen. Er möchte immer noch Flugzeuge bauen. Und er lernt nebenbei chinesisch. Damit er irgendwann ein mal in China als Ingenieur arbeiten kann.

Filmprojekt mit und für Flüchtlinge