Zu unserem Gespräch mit Klaus Merkle von der Organisation SOS Mediterranee gab es auf Facebook scharfe Kritik an dem, was die Seenotretter tun. Um Schlepperei handelt es sich allerdings nicht.

Thomas Otto ist DRadio-Wissen-Korrespondent in Brüssel. Er hat uns erklärt, dass Schiffe, die in Seenot geratene Flüchtlinge antreffen, diese Menschen laut internationalen Abkommen wie dem UN-Seerechtsübereinkommen, der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Genfer Flüchtlingskonvention retten und in einen sicheren Hafen bringen müssen.

Warum nicht nach Libyen zurück?

Die Betonung liege dabei auf "sicher". "Ein solcher Hafen findet sich nicht in einem Bürgerkriegsland wie Libyen", sagt Thomas Otto. Rechtlich gesehen sei das, was private Rettungsschiffe wie die Aquarius von Klaus Merkle machen, auch keine Schlepperei, sondern folge klaren Regeln.

Denn See-Notrufe werden von einer staatlichen Behörde in Rom, dem Maritime Rescue Coordination Centre, gebündelt. Dort ist bekannt, wo welches Schiff sich gerade in der Nähe der Schiffbrüchigen aufhält und von dort erhalten Kapitäne dann auch Koordinaten und die Anweisung, in welchen Zielhafen sie die in Seenot geratenen Menschen bringen sollen.

"In Libyen herrschen unmenschliche Zustände. Schon deshalb können NGOs die Menschen nicht zurückbringen. Und Menschen in Seenot aufnehmen und in einen sicheren Hafen bringen ist keine Schlepperei."
Thomas Otto, DRadio-Wissen-Korrespondent in Brüssel

Es ist möglich und denkbar, dass Schleuser wegen privater Rettungsschiffe noch schlechtere Boote mit noch schlechterer Ausrüstung aufs Meer schicken, stellt Thomas Otto fest. Das Gegenargument der NGOs: Ohne Hilfe würden noch mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken .