Die größte Strecke des Weges legte Hasib allein zurück. Dann kamen Ronja und Niklas, um ihm zu helfen. Es gab für sie keine andere Wahl.

Mai und Juni 2015: Ronja von Wurmb-Seibel und ihr Partner Niklas Schenck sind in Kabul, arbeiten dort an einem Film. Nicht zum ersten Mal sind sie in Afghanistan. Schon im Jahr zuvor waren sie dort. Damals haben sie auch Hasib kennengelernt, einen Jungen, der wie so viele dort vom Leben in Europa träumt. Als sie diesen Sommer in Kabul ankommen, ist Hasib nicht mehr da. Er sei auf dem Weg nach Europa, heißt es.

Ronja und Niklas sind längst wieder zurück in Deutschland, als ihr Telefon klingelt. Hasib ist dran. Er sagt: "Ich bin in Ungarn. Ich bin in einem Camp für Minderjährige und wurde festgenommen. Aber ich will immer noch weiter nach Deutschland".

"Wir müssen ihm helfen"

So beginnt sie, die Geschichte von Ronja, Niklas und dem jungen Hasib. Denn von diesem Moment an hatten Ronja und ihr Partner eigentlich keine andere Wahl. Es geht um das Wohl des Jungen, denken sie. Legale Wege, ihn nach Deutschland zu holen, gibt es nicht. Was, wenn ihm auf seinem weiteren Weg etwas zustößt? Der Junge, finden sie, hat ihre Hilfe und ihren Schutz verdient.

"Ich hätte es einfach nicht ausgehalten, ihn da alleine zu lassen."
Niklas Schenck über seine Beweggründe, Hasib zu helfen.

Nach etwa einer Woche Bedenkzeit fahren Ronja und Niklas los. Menschenschmuggel - das ist ein hartes Wort. Beide wissen, dass sie sich strafbar machen, wenn sie Hasib über die Grenzen nach Deutschland bringen. Die Konsequenzen sind sie aber bereit zu tragen. Trotzdem haben sie Angst, als sie in Ungarn ankommen. Sie geben sich als Touristen aus und suchen das Lager, in dem sich Hasib befindet.

"Wir hatten wahnsinnige Angst, dass es möglicherweise Wächter an dem Lager gibt"
Was Ronja von Wurmb-Seibel während der Fluchthilfe empfand

Hasib lebt heute bei dem Paar in Hamburg. Ronja und Niklas haben die Vormundschaft für ihn übernommen. Und Niklas sagt: "Wir sind in eine Wohnung umgezogen, in der Hasib auch mal die Tür zu machen kann. Und seither fühlt es sich so an, als könnte es jetzt auch so bleiben."

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