Hetzkampagnen gegen Flüchtlinge behaupten, dass Asylsuchende uns Arbeitsplätze, Wohnungen und potenzielle Partner vor der Nase wegschnappen. Damit schüren sie Existenzängste. Statistikerin Katharina Schüller hat für uns geprüft, was an der rassistischen Polemik überhaupt dran ist.

Bis Ende 2015 rechnet der Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit rund 800.000 Flüchtlingen, die in Deutschland Asyl suchen. 2014 wurden rund 200.000 Asylanträge gestellt, 2015 waren es in der ersten Hälfte des Jahres rund 218.000. Die Asylbewerber kamen aus:

  • 95.000 aus den Balkanländer
  • 44.000 aus Syrien
  • 10.000 aus Irak
  • 10.000 aus Afghanistan
  • Weniger als 10.000 aus Eritrea und Pakistan

Die meisten Asylbewerber sind sehr jung: 50.000 Anträge werden von unter 16-Jährigen gestellt, 40.000 von 18- bis 25-Jährigen.

Klar ist auch, dass nicht alle Zuwanderer in Deutschland bleiben werden. Genaue Prognosen kann man allerdings nicht machen. Schätzungen werden mithilfe der Fluchtbewegungen vom Balkan der 1990er Jahre aufgestellt. Am Beispiel von Bosnien-Herzegowina zeigt sich, dass die Zahl der bosnischen Staatsbürger in Deutschland von knapp 20.000 im Jahr 1992 auf 340.000 im Jahr 1996 anstieg, bevor sie wieder abnahm.

Geringer Einfluss auf die Demografie

Der Einfluss auf die demografische Situation in Deutschland ist eher gering. "Zwei Drittel der Flüchtlinge sind unter 30, also deutlich jünger als der Durchschnitts-Deutsche, der ist 45 Jahre alt", sagt DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller. Aber: Das statistische Bundesamt rechnet langfristig mit 100.000 bis 200.000 Netto-Zuwanderungen pro Jahr. Damit würde das mittlere Alter der Deutschen bis 2060 nur um ein Jahr sinken.

Viele Männer, ungleichmäßig verteilt

Zwei Drittel der Asylanträge stammen von Muslimen, ebenso groß ist der Anteil der männlichen Antragsteller, auch wenn das je nach Herkunftsland stark schwankt. Die vielen Männer wirken sich kaum auf die Bevölkerungsstatistik Deutschlands aus, selbst wenn alle 800.000 in diesem Jahr erwarteten Flüchtlinge männlich wären. "Das ist so sehr spürbar wie der Unterschied, ob unter 200 Menschen genau 100 oder 101 Männer sind", erklärt Katharina Schüller. "Wir merken es nur, weil die Flüchtlinge ungleichmäßig über die Bevölkerung verteilt sind. 200 junge Männer auf einmal in einem Heim sehen eben nach viel aus."

"Da wir mit unserer aktuellen Kinderzahl immer weniger Menschen werden und die Flüchtlingszahl das längst nicht ausgleicht, steuern wir insgesamt keinesfalls auf einen Lehrermangel, Wohnungsmangel."
Katharina Schüller, DRadio-Wissen-Statistikerin