Zwei Jahre ist es her, da kamen täglich Hunderte Flüchtlinge nach Berlin - und Tausende Freiwillige kamen, um zu helfen. Die meisten Helfer sind inzwischen in ihre Jobs zurückgekehrt. Andere sind geblieben - und sehen ihre Aufgabe nach wie vor als Berufung.

Herbst 2015 in Berlin: Die Bilder vom "Landesamt für Gesundheit und Soziales", kurz: "LaGeSo", werden die meisten noch vor Augen haben. Geflüchtete Menschen warteten dort vier bis sechs Wochen auf eine Registrierung. Sie campierten vor dem Gebäude. Bis zu 600 neue Menschen kamen täglich hinzu. Es war sehr chaotisch und die Situation war angespannt. Tausende Ehrenamtliche kamen, um zu helfen.  

 Flüchtlinge warten am 21.10.2015 in Berlin auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge.
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Flüchtlinge vor zwei Jahren in Berlin, auf dem Gelände des LaGeSo.

Eine von ihnen war Christiane Beckmann. Der Ansturm von damals ist zwar inzwischen abgeflaut, aber sie erinnert sich noch gut daran. Sie kam damals, weil sie "das Chaos klein halten wollte", wie sie sagt. Sie wollte die Menschen in der Kälte versorgen, während die darauf warteten, dass sie an der Reihe waren.

"Die Priorität war für mich die Gesellschaft, in der ich lebe. Die Arbeit, die ich hier mache, sehe ich als Teil, unsere Gesellschaft lebenswürdig zu machen."

Christiane Beckmann hat ihren Job in einer Chemiefirma gekündigt. Für weit weniger Geld führt sie jetzt die Geschäfte des Vereins Moabit hilft, der immer noch vor Ort am LaGeSo ist und Flüchtlinge unterstützt. 

Christiane Beckmann bei ihrer Arbeit für Moabit hilft.
© Dominik Schottner | deutschlandfunk Nova
Christiane Beckmann bei ihrer Arbeit für Moabit hilft.

Zum Verein Moabit hilft kommen jeden Tag etwa 80 Menschen - sie wollen dort Deutsch lernen, Kleider abholen oder einfach nur Freunde treffen. Der Leitspruch "Wir schaffen das", den Bundeskanzlerin Merkel 2015 prägte, der hallt hier noch irgendwie nach. Der Verein sieht sich aber nicht in der Rolle des Dienstleisters. Vielmehr will man unbequem sein, etwas bewirken.

"Solange geflüchtete Menschen nicht - wie im Grundrecht steht - mit uns gleich sind, können wir nicht aufhören."
Christiane Beckmann vom Verein Moabit hilft

Quereinstieg in die Flüchtlingshilfe aus Passion

Christiane Beckmann ist nicht die einzige, die ihren alten Job aufgegeben hat, um sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Auch Lidia Giloni bekam eine Festanstellung angeboten. Lidia hatte vor zwei Jahren eine Wäscherei in der Notunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf aufgebaut. Als sie wieder zurück in die Gastronomie wollte - um Geld zu verdienen - bot der Heimleiter ihr eine feste Stelle an. 

Bild und Szene aus der Wäscherei, die Lidia aufgebaut hat
© Dominik Schottner | Deutschlandfunk Nova
Blick in die Wäscherei, die Lidia Giloni aufgebaut hat.
"Das war für mich die Möglichkeit, hier zu bleiben, wo ich tatsächlich mein Herz verloren hatte. Und ich hatte nicht mehr den Zwiespalt zwischen Beruf und Ehrenamt."
Lidia Giloni über ihre Motivation, die feste Stelle in der Flüchtlingshilfe anzunehmen

120 Wäscheladungen am Tag

Finanziell war der berufliche Quereinstieg für Lidia ebenso wenig reizvoll, wie für Christiane Beckmann. Das war ihr aber egal. Doch leider ist ihre Zukunftsperspektive nicht so gut: Denn das Heim, in dem sie arbeitet, wird Ende des Jahres schließen. 

Dann muss sich auch Lidia etwas Neues suchen. Gar nicht so leicht, weil der Schulabschluss der in Sizilien geborenen und in der Schweiz aufgewachsenen Frau in Deutschland nicht viel wert ist. So wird Lidia vor dem selben Problem stehen, wie viele Geflüchtete.