Wir buchen einen Flug und manchmal die CO2-Kompensation gleich mit. Um die CO2-Bilanz auszugleichen, werden oft Projekte unterstützt, die zum Beispiel Wälder aufforsten. Das kann sinnvoll sein – wenn das Projekt zertifiziert ist.

Wer in Deutschland einen Flug bucht, zahlt auch immer öfter freiwillig für CO2-Kompensationen: Die Einnahmen der Kompensationsagentur Atmosfair sind zum Beispiel im vergangenen Jahr auf 9,5 Millionen Euro gestiegen - das waren 40 Prozent mehr im Vergleich zu Vorjahr.

Anbieter wie Atmosfair, Klima-Kollekte, Myclimate oder Primaklima rechnen auf der Basis unserer Angaben aus, wie viel CO2 wir beispielsweise für einen Flug erzeugen und was es kostet, die Emission auszugleichen. Dieses gespendete Geld wird in Projekte auf der ganzen Welt investiert.

Wenn der Baum stirbt, wird das CO2 wieder frei

Oft wird in Aufforstungsprojekte investiert. Eine Flugreise von Köln nach Palma de Mallorca und zurück, Economy-Klasse, produziert beispielsweise 0,73 Tonnen CO2, sagt Henriette Lachenit von Primaklima. Umgerechnet wäre das eine Fläche von 27 mal 27 Metern aufgeforsteter Bäume.

Das bedeutet aber nicht sicher, dass das CO2 auch gebunden bleibt. Denn Bäume ziehen CO2 nur so lange aus der Atmosphäre, wie sie wachsen. Sind sie ausgewachsen, speichern sie das CO2 zwar (in Form anderer Moleküle), geben es aber wieder ab, wenn sie sterben. Stefan Fischer von der Stiftung Warentest nennt das ein "Nullsummenspiel".

"Denn ein Baum zieht CO2 aus der Atmosphäre, so lange er wächst. Ist er ausgewachsen, verbraucht er kein CO2 mehr. Und wenn er abstirbt, gibt er das eingesammelte CO2 wieder ab."
Stefan Fischer, Stiftung Warentest

Feuer, Erdbeben, Abholzungen - alles Mögliche kann einen Wald vernichten. Daher gebe es auch verschiedene Sicherheitsstufen bei solchen Aufforstungsprojekten, so Henriette Lachenit von Primaklima. Es werden zum Beispiel gezielt mehr Bäume gepflanzt als nötig wären. Außerdem finanziere man Feuerschneisen mit. Und falls der ganze Wald abbrennt, habe Primaklima beispielsweise zusätzlich einen Wald in Uganda gepflanzt, der rund 33 Millionen Tonnen CO2 binde und noch nicht über Zertifikate verkauft sei. Der funktioniere quasi wie eine Versicherung.

"Je nach Projekt werden 30 bis 50 Prozent mehr Bäume gepflanzt oder mehr Flächen bepflanzt, als es eigentlich nötig wäre, sodass man eben einen 'Sicherheitspool' hat."
Henriette Lachenit, Geschäftsführerin Primaklima

Geprüfte Anbieter auswählen

Neben Aufforstungen gibt es noch einige andere Projekte, die mit CO2-Kompensationen unterstützt werden. Einige von ihnen zielen darauf ab, CO2 direkt zu vermeiden. Meist geht es dann darum, Energie effizienter einzusetzen oder Ressourcen zu schonen. Die Kompensations-Agentur Klima-Kollekte tauscht in Indien zum Beispiel Kerosinlampen durch Solarlampen. Das spart Brennstoff, ist billiger und weniger gesundheitsschädlich für die Menschen. Andere Projekte ersetzen offene Feuerstellen durch effizientere Öfen.

"Die Leute kochen da oft am offenen Feuer, atmen auch die giftigen Gase ein. Und denen wird dann geholfen, indem ein neuer Ofen kommt, der viel weniger Holz verbraucht."
Stefan Fischer, Stiftung Warentest

Am Ende kommt es auf die konkreten Projekte an - wichtig ist aber immer, dass es möglichst hohe Standards gibt. Stiftung Warentest hat 2018 Kompensationsagenturen getestet: Anbieter wie Atmosfair, Klima-Kollekte, Primaklima und Myclimate wurden mit gut bis sehr gut bewertet. Zusätzlich weisen Prüfsiegel wie "Plan Vivo" darauf hin, dass die Bevölkerung eingebunden wird.