Die App Focusmate verbindet zwei fremde Personen miteinander. Damit die sich gegenseitig kontrollieren, ob sie auch wirklich ihre Arbeit erledigen. Solche Co-Working-Apps sind gerade ziemlich angesagt.

Prokrastination kennen wir alle: Da gibt es diese unheimlich wichtige, dringende Aufgabe, um die wir uns auf jeden Fall kümmern müssen! Und was tun wir? Fangen an, die Fenster zu wischen, rufen Oma und Opa an und vertrödeln unsere Zeit mit Dingen, die ruhig auch ein paar Stunden oder Tage warten könnten. Am Ende bleibt das schlechte Gewissen. Und wir haben es wieder mal nicht geschafft, uns selbst zu disziplinieren.

Es wäre also ganz geil, wenn diesen Job jemand anderes für uns übernehmen könnte - und genau das ist die Idee des Programms Focusmate. Im Prinzip ist das eine Videokonferenz: Ihr verbindet euch mit einem Menschen irgendwo auf der Welt, der selbst gerade eine wichtige Aufgabe zu erledigen hat. Das Ziel: Ihr arbeitet nebeneinander her, wie in einem virtuellen Co-Working-Space.

Marie aus Chicago kontrolliert Martina in Deutschland

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte hat das Experiment gemacht und sich ihren Focusmate gesucht: "Ich habe mich für Marie entschieden, die saß in einem Café in Chicago, sie wollte da an einer Präsentation arbeiten." Zum vereinbarten Zeitpunkt werden Marie und Martina von der Software verbunden, es öffnet sich ein Videochat. Aber es geht nicht ums Plaudern oder Flirten - sondern Marie und Martina sollen gegenseitig kontrollieren, ob sie auch tatsächlich arbeiten.

"Ich kam mir am Anfang etwas beobachtet vor. Aber irgendwie hat mich dann Maries Konzentration angesteckt und ich war sehr schnell mit meiner Arbeit fertig."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Martina sieht Marie durch ein kleines Video-Fenster auf ihrem Desktop und umgekehrt. Die beiden tauschen sich kurz miteinander aus: "Marie hat mir erzählt, dass sie an einer Präsentation für ein Seminar arbeitet, ich habe ihr von meiner Recherche erzählt", erklärt Martina Schulte. Dieses Kennenlernen soll nicht länger als eine Minute dauern, dann fangen beide an, zu arbeiten, immer unter den wachsamen Augen ihres virtuellen Gegenübers.

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"Es war am Anfang etwas komisch", sagt Martina. "Man sitzt da so rum, tippt vor sich hin und auf dem Desktop sieht man jemand anderen, der genau das gleiche tut und der ab und zu mal an einem Kaffee nippt oder zu einem rüber schaut." Aber beide gewöhnen sich schnell aneinander und lassen sich gegenseitig von der Konzentration der anderen anstecken.

"Du bist zum Arbeiten da und nicht zum Prokrastinieren, Chatten oder gar Flirten. So sagen es zumindest die strengen Community-Regeln."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Nach 50 Minuten gibt es wieder eine kurze Plauderei zwischen Martina und Marie: Beide berichten im Check-out, was sie geschafft haben. Gegenseitig versichern sie sich, dass sie ziemlich viel ihrer Arbeit erledigt haben. Martina Schulte will Focusmate trotzdem nicht regelmäßig machen, aber: "Ich glaube auf jeden Fall, dass das ein super Tool ist für Leute, denen es schwerfällt, sich aufzuraffen oder die Homeoffice machen oder was lernen müssen."

Co-Working-Apps wie Focusmate sind angesagt

Virtuelles Co-Working wie bei Focusmate ist gerade ziemlich angesagt. Es gibt mehrere Apps und Software-Lösungen, in denen ihr über eine Videoverbindung mit anderen Leuten arbeiten könnt, ohne dass es um Plaudereien oder gemeinsame Projekte geht. Arena oder My Work Hive zum Beispiel.

Focusmate ist aber die Einzige, die einen psychologischen Ansatz verfolgt: Laut Entwicklern ist die App nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut. Durch die Kontrolle, durch den Check-out, in denen die beiden Co-Worker sich gegenseitig zur Rechenschaft ziehen, würden die Teilnehmer in einem "Flow Zustand" versetzt - mit dem die Arbeit so richtig fluppt.

"Focusmate ist die einzige Software, die diesen psychologischen Ansatz verfolgt, in dem du dich für den anderen verantwortlich fühlst und wo du dich von ihm oder ihr anstecken lässt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

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