Aus dem Hahn kommt mancherorts in Indien nur heißes Wasser. Die Folgen der aktuellen Rekordtemperaturen sind für die Menschen, die Landwirtschft und die Stromversorgung besonders gravierend.

Der indische Subkontinent leidet unter extremer Hitze. Im manchen Regionen Indiens und Pakistans herrschen Temperaturen von über 40 Grad Celsius. Der April war in Teilen Indiens der heißeste seit 122 Jahren. Das führt zu spontanen Bränden, auf Müllkippen beispielsweise, zu Wasser-, Lebensmittel- und Stromknappheit.

Die Pflanzen vertrocknen auf den Äckern und Plantagen, davon sind insbesondere Getreideerträge betroffen. Zur Orientierung: Indien führte mit knapp 190 Millionen Menschen in den Jahren 2017 bis 2019 die Statistik der Welternährungsorganisation noch deutlich vor China an.

Lebensmittel- und Stromknappheit

Durch die Hitze nimmt auch der Energieverbrauch zu, weil die Kühlung von Lebensmittel und Gebäuden mit jedem zusätzlichen Grad Außentemperatur deutlich energieintensiver wird. Für Menschen sind diese Temperaturen einfach gefährlich.

"Das Problem ist, dass wir bei diesen Temperaturen in Bereiche kommen, die wir Menschen nur sehr schlecht ertragen können, gerade auch, wenn es nachts nicht mehr richtig abkühlt."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Hitzewelle sei in diesem Jahr sehr früh und stelle schon an sich ein Gesundheitsrisiko dar, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Die daraus resultierende Energieknappheit führt aber auch zu stundenlangen Stromausfällen, was wiederum Versorgungs- und Verkehrsinfrastrukturen destabilisiert.

Solchen Hitzewellen fallen auch noch neu angepflanzte Wälder zum Opfer. Die sollten eigentlich Abhilfe schaffen, Kohlenstoff binden und die Zunahme der Erderwärmung mindern, sagt Verena.

"Bäume speichern Kohlenstoff, aber der ist dort lange nicht so sicher weggeschlossen wie in den Erdöl- und Kohlevorräten."

Klimaforscher sagen schon länger häufigere Hitzewellen in Südasien voraus und meinen, dass sich solche extremen Wetterereignisse häufen könnten.

Bäume spielen beim Hitzemanagement in Städten eine wichtige Rolle

Um den Kreislauf zu stoppen, müssten an erster Stelle weniger Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, an zweiter Stelle könne Aufforstung die zunehmende Erderwärmung dämpfen, so unsere Reporterin.

Um das Klima zu verbessen, ist es auch in der Landwirtschaft – gerade in Indien – sinnvoll, über eine Kombination von Forst- und Ackerwirtschaft nachzudenken. Denn Dank besserer Verschattung könne man so Feuchtigkeit länger im Boden halten.

"Viele Städte werden ja zu richtigen Hitzeinseln, wenn sich die Häuser und Straßen aus Beton aufheizen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bäume spielen auch beim Hitzemangement in Städten eine wichtige Rolle, sagt Verena: Durch Beschattung tagsüber und kühlende Effekte durch den Verdunstungseffekt. Das werde immer noch zu wenig bedacht.

Um Stromversorgung mittelfristig bei solchen HItzewellen wie jetzt in Indien stabil zu halten, könnte ein schneller Ausbau von Photovoltaik helfen - damit wenigstens die Ventilatoren laufen.