Warum nicht die Lebensmittel, die im Supermarkt nicht verkauft werden, spenden oder weiterverwerten - anstatt sie wegzuwerfen? Deutschland soll sich an Frankreich orientieren, wünscht sich Klaus Müller, der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. Dort ist das nämlich seit Kurzem gesetzlich geregelt.

Die französische Regierung hat Anfang Februar beschlossen, dass Lebensmittel, die aus irgendwelchen Gründen nicht mehr verkauft werden können, in irgendeiner Form weiterverwertet werden müssen.

"Häufig ist bei solchen Lebensmitteln einfach nur das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen."
Sebastian Sonntag, DRadio Wissen

Die meisten Lebensmittel kann man aber auch noch ohne Bedenken Wochen später essen, zum Beispiel Nudeln oder Tütensuppen. Solche abgelaufenen Nahrungsmittel, die noch in Ordnung sind, sollen in Frankreich an Organisationen gespendet werden, die sie dann an Bedürftige weitergeben. Alternativ sollen solche Lebensmittel zu Tierfutter verarbeitet werden oder zumindest kompostiert werden - zum Beispiel Obst und Gemüse.

"Hält sich ein Supermarkt nicht daran, drohen hohen Strafen. Mindestens 75.000 Euro oder bis zu zwei Jahre Haft."
Sebastian Sonntag

Das Gesetz gilt aber nur für Supermärkte, die größer sind als 400 Quadratmeter. Kleinere Filialen oder Tante-Emma-Läden sind davon ausgenommen. Die meisten Franzosen finden das neue Gesetz generell gut. Nur die Supermärkte fühlen sich zu unrecht gemaßregelt. Viel mehr werde nämlich in den privaten Haushalten verschwendet.

Deutschland vor Frankreich

"Dabei schmeißen die Franzosen mit 30 Kilo Lebensmittel pro Kopf pro Jahr vergleichsweise wenig weg. Wir Deutschen sind da mit 82 Kilo deutlich drüber."
Sebastian Sonntag

Die deutschen Supermärkte werfen jedes Jahr 550.000 Tonnen Lebensmittel weg. Das hat eine Studie von 2012 errechnet. In deutschen Privathaushalten werden insgesamt 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen - im Vergleich also deutlich mehr, als in den Supermärkten. Deshalb hält Ernährungsminister Christian Schmidt auch nichts von der Idee, in Deutschland ein ähnliches Gesetz zu verabschieden wie in Frankreich.

"Ernährungsbildung in den Schulen - der Weg ist mir lieber, als dass ich den Teller mit Paragrafen vollpacke."
Ernährungsminister Christian Schmidt auf n-tv

Eine Initiative, damit in Restaurants weniger Essen weggeworfen wird, gibt es schon: "Restlos genießen" heißt die. Restaurants, die da mitmachen, bekommen kostenlos Verpackungsboxen, in denen sie dann ihren Besuchern Essen mitgeben können, das auf ihren Tellern liegen geblieben ist.

Deutsche Supermärkte kritisieren "Zwangsverpflichtung"

Die deutschen Supermärkte selbst halten übrigens auch nichts von einem Gesetz nach französischen Vorbild. Die meisten Supermärkte gäben schon Lebensmittel an eine der 900 Tafel-Organisationen weiter, heißt es aus dem Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels: "Die Zwangsverpflichtung per Gesetz käme einer Geringschätzung dieses Einsatzes gleich." Verbraucherschützer Klaus Müller entgegnet: "Eine gesetzliche Pflicht würde die schwarzen Schafe treffen, die das bisher noch nicht freiwillig machen."