Wer wissen will, woher seine Ahnen stammen, kann das mithilfe einer kommerziellen DNA-Datenbank herausfinden. Diese Datenbanken können aber auch für ganz andere Zwecke hilfreich sein: Um alte Straftaten aufzuklären.

Cold Cases sind Fälle, die die Polizei auch nach vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten nicht aufklären konnte - so zum Beispiel der Doppelmord von Linköping in Schweden von 2004. 16 Jahre lang stocherte die Polizei im Dunklen, bis sie 2018 der schwedische Ahnenforscher Peter Sjölund kontaktierte.

Er bot der Polizei in Schweden an, ihnen bei der Ermittlung von Cold Cases mithilfe dieser DNA-Datenbanken zu unterstützen. In einer Studie haben das Ermittlerteam und der Ahnenforscher ihr Vorgehen genau beschrieben.

In diesem Jahr war in der USA schonmal ein Mörder und Vergewaltiger überführt worden, weil die Ermittelnden genealogische DNA-Datenbanken, also kommerzielle Datenbanken zur Ahnenforschung, durchsucht hatten.

Auf der Suche nach entfernten Verwandten

In Schweden ging es vor allem darum, entfernte Verwandte des Täters von Linköping zu finden.

Forschende haben vor einigen Jahren herausgefunden: Wenn ein Prozent der Bevölkerung in einer Gendatenbank registriert ist, lässt sich mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit zumindest eine Person finden, die entfernt verwandt mit der gesuchten Person ist. Beispielsweise könnte man die Cousine dritten Grades finden, mit der die gesuchte Person gemeinsame Ur-Großeltern hat.

"Wenn ein Prozent der Bevölkerung in so einer Gendatenbank registriert ist, dann lässt sich mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch zumindest einer oder eine finden, die entfernt verwandt ist mit der gesuchten Person."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ob jemand verwandt ist, kann man herausfinden, indem man die Ähnlichkeit der DNA zweier Menschen an bestimmten Punkten abgleicht. Genau das hat der Ahnenforscher im Fall Linköping getan. Er hat die DNA-Probe vom Tatort so lange abgeglichen, bis er schließlich einige Personen gefunden hatte, die mit dem Täter entfernt verwandt sein könnten.

Da am Tatort nur sehr wenig DNA des Täters vorhanden war, brauchte es ein spezielles Verfahren, um die restliche DNA zu rekonstruieren. Beim Abgleichen der DNA mit der von möglichen Verwandten waren auch mehrere Anläufe mit verschiedenen DNA-Abschnitten nötig, bis es endlich brauchbare Treffer gab.

Täter überführt

Danach begann eine aufwändige Polizeiarbeit, um anhand der Erkenntnisse aus der DNA-Datenbank tatsächlich konkrete Personen zu finden, die für die Tat in Frage kommen.

Nach einigen Speicheltests in der Gegend des Personenkreises konnten sie schließlich zwei Brüder aus Linköping identifizieren. Einer der beiden gestand die Tat.

Rechtlich und ethisch bedenklich

Diese Art der Ermittlung bringt allerdings auch rechtliche und ethische Probleme mit. Denn normalerweise dürfen Verwandte die Aussage verweigern. Die Menschen aus der Datenbank wurden allerdings nicht um ihre Zustimmung gebeten. Der Ahnenforscher Peter Sjölind schreibt deswegen in der Studie, dass es in Zukunft klare Regeln für derartige Ermittlungsverfahren geben müsse.

"Normalerweise darf man als Verwandter oder Verwandte die Aussage verweigern – die Menschen aus der Datenbank wurden da aber nicht gefragt."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Beispielsweise sollten Datenbanken in den Geschäftsbedingungen darüber informieren, dass die Daten auch von der Polizei verwendet werden könnten. Zudem solle es nur für schwerwiegende Fälle wie Mord eingesetzt werden und auch erst dann, wenn alle anderen Ermittlungswege im Sand verlaufen sind.