Verurteilte Straftäter landen nicht immer im Gefängnis. Werden sie als vermindert schuldfähig eingestuft, kommen sie in die forensische Psychiatrie - eine Kombination aus geschlossener Abteilung und Knast, aus Therapie und Sicherung. In der Öffentlichkeit ist wenig bekannt über die forensische Psychiatrie. Christa Pfafferott will das ändern.

Es ist ein seltener Blick hinter die Anstaltsmauern der Frauenstation einer forensischen Psychiatrie - der Dokumentarfilm "Andere Welt" von Christa Pfafferott. Die 31-Jährige porträtiert nicht nur die Patientinnen und deren Lebensgeschichten, sondern auch die Pflegerinnen sowie ihr Verhältnis zueinander. Für die Pflegerinnen, so Pfafferott, sei es wichtig, die Balance zu halten. Sie müssen Empathie und Fürsorge für die Insassinnen zeigen, sich aber auch professionell abgrenzen.

"Die Patientinnen sind eingesperrt, gefangen. Die meisten wollen von diesem Ort weg. Freiheit ist einfach ein existentielles Grundbedürfnis."
Christa Pfafferott

Nicht nur die Patientinnen sind eingesperrt und werden überwacht. Auch die Pflegerinnen sind Teil des Sicherungssystems. Jeden Tag durchlaufen sie verschiedene Checks, um die Anstalt zu betreten. Dazu gehört zum Beispiel eine Retina-Erkennung. Ihre Arbeit in der Anstalt wird per Video überwacht.

Maßregelvollzug: Besserung vor Sicherung

Der Maßregelvollzug will für die Insassen Besserung zum Beispiel durch Therapie erzielen. Zugleich soll die Gesellschaft vor ihnen gesichert, geschützt werden. Dabei wird die Unterbringung im Maßregelvollzug auf unbestimmte Zeit festgelegt.

Christa Pfafferott sieht diesen Punkt sehr kritisch. Die Insassinnen seien abhängig vom Urteil des Pflegepersonals, von ärztlichen Gutachten. Auch für das Pflegepersonal sei das eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, sagt Pfafferott. Zugleich stelle sich die Frage, ob den Insassinnen damit eine Perspektive geboten werde. Viele resignierten.

Eine Anklage will der Film "Andere Welt" nicht sein, sondern Fragen aufwerfen. Außerdem will Pfafferott das Leben im Maßregelvollzug für die Öffentlichkeit sichtbar machen.

Dafür hat sie den Marlies-Hesse-Nachwuchspreis 2014 vom Journalistinnenbund erhalten. Der Dokumentarfilm "Andere Welt" läuft zurzeit auf verschiedenen Festivals. Ende 2014 wird er im SWR gezeigt.